Was die Präsentation der Bandbreite technischer Errungenschaften in der Antike angeht, so lässt das Buch von Brigitte Cech, die sich in Wien in den Fächern Montan- und Industriearchäologie habilitierte, kaum einen Wunsch offen. Sachkundig führt die Autorin den Leser durch die verschiedenen Bereiche, in denen sich antike Techniker und Ingenieure zu profilieren verstanden.
Der Bogen reicht von der Mess- und Bautechnik, dem Straßen-, Tunnel- und Brückenbau über Wasser-, Agrar- und Schiffsbautechnik bis hin zum Bergbau, zur Verhüttung und zur Kriegstechnik. Dabei konzentriert sich die Darstellung ausschließlich auf die Technik bei Griechen und Römern, während die entsprechenden Leistungen etwa von Mesopotamiern oder Ägyptern keine Beachtung finden. Eine Fülle von Abbildungen, Fotos und Skizzen trägt zur Anschaulichkeit und zur Verständlichkeit der Ausführungen bei.
Wer wissen will, wie antike Technik eigentlich funktionierte, ist hier also bestens aufgehoben. Über die politischen, sozialen und kulturellen Zusammenhänge schweigt sich die Verfasserin allerdings aus. Statt der grenzenlosen Bewunderung, mit der sie im Vorwort um Beifall für die Leistungen antiker Techniker wirbt („atemberaubend“, „Meisterwerke“, „verblüffend“, „beeindruckend“), wäre vielleicht etwas mehr Reflexion über die Gründe am Platz gewesen, die dafür verantwortlich gewesen sind, dass sich technischer Fortschritt trotz reichlich vorhandenen Know-hows und eines unerschöpflichen Vorrats an begabten Tüftlern in der antiken Gesellschaft immer nur in einem begrenzten Maß realisieren ließ.
Kaiser Vespasian etwa wies einen Mechaniker, der ein neues maschinelles Verfahren zum Transportieren von schweren Steinblöcken entwickelt hatte, deswegen ab, weil er dem Volk nicht die Arbeit wegnehmen wollte. Außerdem fanden innovative Erfinder nur selten Investoren, die bereit waren, die serielle Produktion neuer Technologien zu finanzieren.
Solche Aspekte spielen in den Darlegungen der Autorin keine Rolle. Sie will die technische Seite ihres Themas beleuchten, und dieses Vorhaben ist ihr ohne Zweifel gelungen. Wer mehr wissen will, der muss die einschlägigen Titel konsultieren und kann sich dabei an dem umfangreichen Literaturverzeichnis orientieren, das die Autorin im Anhang zusammengestellt hat.
Rezension: Prof. Dr. Holger Sonnabend




