Das Buch berichtet von der weltweiten Suche nach den neurologischen Ursachen der Kriminalität. So gibt es tatsächlich Gebiete im Gehirn, in denen Gewalt entstehen kann. Und: Neurologische Störungen können einen bislang harmlosen Menschen zum Verbrecher machen. Erst moderne bildgebende Techniken, die Einblicke in die grauen Zellen ermöglichen wie die Kernspintomographie haben verlässliche Befunde ermöglicht.
Anhand aktenkundiger Kriminalfälle erklären die Autoren, welchen fatalen Einfluss die Hirnbiologie haben kann: Tumore oder Verletzungen im Gehirn oder Stoffwechselstörungen können einen Menschen zum Gewalttäter umkrempeln, wenn Bereiche gestört werden, die für moralisches Denken und Handeln zuständig sind. Fallen solche Areale des Gehirns aus, wird man anfällig für aggressive, unsoziale Aktionen. Stirnhirngeschädigte können ihre Impulse oft nicht kontrollieren und sind nicht in der Lage, verantwortungsbewusst und sozial verträglich zu handeln.
Die Gehirne vieler Straftäter unterscheiden sich auffällig vom Durchschnitt der Bevölkerung. Die Störungen können angeboren oder durch Unfälle erworben sein. Aber auch Psychopharmaka, Vernachlässigung in der Kindheit, extremer Stress oder ein gewalttätiges Umfeld können Botenstoffe im Gehirn aus dem Gleichgewicht bringen und Delinquenz fördern.
Ziel der Autoren ist es, eine breite öffentliche Debatte in Gang zu bringen: Gehören Verbrecher in die Psychiatrie statt ins Gefängnis? Wie steht es um die Willensfreiheit von Straftätern und damit um die Verantwortung für ihre Taten? Die Rechtsprechung wird sich künftig verstärkt mit den Erkenntnissen der neurologischen Forschung auseinandersetzen müssen.
Eva Tenzer





