Rund 3000 Männer und Frauen – Schüler, Studenten, Reformpädagogen, Schriftsteller, Künstler, Abstinenzler und Vegetarier – zogen im Oktober 1913 auf den 753 Meter hohen Meißner, einen Bergrücken bei Kassel. Viele der Teilnehmer waren Mitglieder und Freunde des jugendbewegten „Wandervogels“ und der vielgestaltigen Lebensreformbewegung. Sie alle verstanden sich als Repräsentanten einer jungen, alternativen Kultur- und Reformbewegung; sie wollten endlich mit einer Stimme sprechen und sich als eigenständige gesellschaftliche Kraft zeigen. Sie nannten sich nach einem ersten Treffen im Juli 1913 in Jena im Bewusstsein gleichgerichteter Ziele „Freideutsche Jugend“.
Den Anlass zur Selbstdarstellung bot die nationale Gedenkfeier am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, das im Beisein des Kaisers und der deutschen Fürsten, von hohen Militärs, Schützen, Sängern und anderen patriotischen Vereinen am 18. Oktober eingeweiht werden sollte. Die nationalistische Deutschtümelei, der Pomp und die traditionelle studentisch-bürgerliche Geselligkeit der Veranstaltung – all diese Rituale, mit denen die Generation der Väter und die Altersgenossen in den studentischen Korporationen die nationale Erinnerungsfeier begehen würden, stießen die Reformer ab. Sie hatten schon seit einigen Jahren neue Feierformen entwickelt: Frühlings- und Sommerfeste, Sonnenwendfeiern mit Spielen und Tänzen, Liedern und Theateraufführungen, meist unter freiem Himmel. Das sollte zum Vorbild für das geplante alternative „Fest der Jugend“ werden.
Die Idee zu einer Gegenveranstaltung der bürgerlichen Jugend kam nicht aus den Wandervogel-Bünden, die sich seit ihrer Gründung um 1900 in viele Gruppen aufgespalten hatten, sondern vom „Deutschen Bund abstinenter Studenten“ und der „Deutschen Akademischen Freischar “, denen freilich viele Wandervögel der ersten Stunde angehörten. Eugen Diederichs, einer von den erwachsenen Reformern, für den die „Jugend“ vor allem zum Inbegriff von Dynamik, Zukunftsorientierung, Stärke und Erneuerung wurde, lud zu einer Vorbesprechung nach Jena ein. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 09/2013.
Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer




