Tanzen liegt in unseren Genen. Schon Babys bewegen sich zu einem ihnen vorgespielten Rhythmus. Und je mehr sie sich bewegen, desto mehr lächeln sie. Eine neue Studie vom Februar 2026 im Fachjournal Plos Biology zeigt, dass schon Neugeborene überrascht reagieren, wenn sie rhythmisch zerstückelte Soundfetzen vorgespielt bekommen. Bei Kindern, die dagegen klassische Musikstücke zu hören bekamen, registrierten die Forscher harmonische Hirnströme. Entscheidend ist dabei der Rhythmus und nicht die Melodie.
Keine andere Spezies kann ähnlich gut einem Takt folgen wie wir Menschen. Die Wissenschaft hat noch nicht ganz verstanden, warum uns die Evolution diese Fähigkeit mitgegeben hat. Manche Wissenschaftler glauben, dass Tanz vor allem soziale Vorteile hatte: also etwa potenziellen Partnern zu signalisieren, wie fit man sei. Oder dass gemeinsame rhythmische Bewegung auch dazu diente, den Zusammenhalt in der Gruppe zu stärken – was lebenswichtig war. Andere Forscher sehen im Tanz noch Grundsätzlicheres: Nur Lebewesen, die Laute und Bewegungen nachahmen, können einem Takt folgen – und genau das macht das Sprechen aus. Wir hören und imitieren schon beim Erlernen der Sprache. Dazu nutzen wir unsere Stimmbänder mittels Muskulatur. Ein Vorgang, der dem Tanzen auf neuronaler Ebene ähnlich ist. Tanzen wäre demnach ein spielerischer Nebeneffekt von dem, was uns von allen anderen Arten unterscheidet – dem Sprechen.
Wie auch immer sich die Fähigkeit zu tanzen entwickelt hat, in den vergangenen Jahren konnte zunehmend belegt werden, dass es positiv für Gesundheit und Wohlbefinden ist. Man muss nicht erst krank sein, um vom Tanzen zu profitieren. Aber ob sich durch Bewegung zu Musik etwas zum Besseren wendet, lässt sich am ehesten bei Menschen untersuchen, die unter Beeinträchtigungen leiden. So zeigt eine aktuelle Metaanalyse vom November 2025 in Plos One, dass Tanzen gegen Schlafprobleme hilft. Eine andere Studie belegt eine positive Wirkung auf den Blutzuckerspiegel bei Diabetes-Patienten. Tanzen soll außerdem bei Depressionen und bei geringfügigen mentalen Einschränkungen die Symptome lindern. Und bei Frauen, die nach der Menopause an einem wöchentlichen Flamenco-Kurs teilnahmen, erhöhte sich ihre Beweglichkeit, während der Blutdruck sank. Außerdem berichteten sie insgesamt von einer besseren Lebensqualität als die Kontrollgruppe.
Weniger Stress, gesündere Psyche
Dass die Lebensqualität durch rhythmischen Tanz steigt, hat mehrere Gründe. Der offensichtlichste ist die Bewegung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt 150 bis 180 Minuten Sport pro Woche, definiert als Tätigkeiten, bei denen wir ins Schwitzen kommen. „Wir verbrauchen je nach Tanz vier bis elf Kalorien pro Minute“, sagt Reto W. Kressig, seit 2025 emeritierter Professor für Altersmedizin an der Universität Basel. Er hat viele Studien zum Thema Tanz durchgeführt. „Dabei werden alle großen Muskelgruppen bewegt, von den Armen über den Rumpf bis zu den Beinen – genau das, was die WHO empfiehlt.“





