Die sexuell übertragbare Krankheit Syphilis geht einher mit Geschwüren und Hautausschlägen und verursacht im Spätstadium schwere Schäden an Knochen, Organen und Gehirn. Verantwortlich dafür ist das Bakterium Treponema pallidum. Zwei Varianten, die genetisch fast identisch mit dem Syphilis-Erreger sind, verursachen zudem die Tropenkrankheiten Frambösie und Bejel, die nicht sexuell, sondern über direkten Hautkontakt übertragen werden. Auch eine vierte Krankheit, Pinta, wird von Treponema-Bakterien ausgelöst, ist aber bisher auf genomischer Ebene noch weniger gut verstanden. Wie, wann und wo die verschiedenen Krankheitsformen entstanden sind, ist bis heute unklar.
Zufallsfund in Jahrtausende alten Knochen
Ein Team um Davide Bozzi von der Universität Lausanne in der Schweiz hat nun das bisher älteste Genom von Treponema pallidum sequenziert. Bei Ausgrabungen in einer Felshöhle in der Nähe von Bogotá in Kolumbien entdeckten die Forschenden die Skelette früher Jäger und Sammler. Als sie die alte DNA aus den Knochen analysierten, stießen sie zu ihrer Überraschung auf bakterielles Erbgut. „Obwohl das Skelett keine krankheitsbedingten Schädigungen der Knochen aufwies, identifizierte unser metagenomisches Screening T. pallidum bei einer Person, die vor etwa 5500 Jahren verstorben war“, berichtet das Forschungsteam. Das verschiebt die ältesten genetischen Nachweise der Erkrankung um 3000 Jahre in die Vergangenheit und zeigt, dass auch Knochen ohne krankhafte Veränderungen eine wertvolle Quelle für Krankheitserreger-DNA sein können.
Weitere Analysen ergaben, dass die aus den Knochen gewonnene bakterielle DNA zwar eindeutig zur Spezies Treponema pallidum gehört, aber mit keiner der drei heutigen genetisch bekannten Formen übereinstimmt. „Eine Möglichkeit ist, dass wir eine alte Form des Erregers entdeckt haben, der Pinta verursacht, über den wir wenig wissen, der aber bekanntermaßen in Mittel- und Südamerika endemisch ist“, sagt Bozzis Kollegin Anna-Sapfo Malaspinas. „Derzeit können wir nicht verifizieren, ob dies der Fall ist, aber es ist eine Spur, die es wert ist, weiter untersucht zu werden.“
Uralte Unterart mit ähnlicher Virulenz
Die Forschenden gaben der von ihnen entdeckten Variante den Namen TE1-3. Anhand der genetischen Entfernung von den heute bekannten Erregern von Syphilis, Frambösie und Bejel schätzen die Forschenden, dass sich diese Schwesterlinie vor 13.700 Jahren von den anderen Varianten abgespalten hat, also bereits wenige Jahrtausende nach der Erstbesiedlung Amerikas. Die drei modernen Unterarten dagegen haben sich wahrscheinlich erst vor rund 6000 Jahren auseinanderentwickelt. Den DNA-Analysen zufolge besaß bereits TE1-3 Virulenz-assoziierte Gene, die auch in heutigen Treponema-pallidum-Stämmen zu finden sind. „Das deutet darauf hin, dass das Bakterium schon damals ein ähnlich Potenzial hatte, Menschen zu befallen und sich auszubreiten“, erklären die Forschenden.





