Da wir nur eine zeitgenössische osmanische Chronik über das Leben des Sultans besitzen, kommt den byzantinischen Quellen, die in den Artikeln von Diether R. Reinsch und Peter Schreiner behandelt werden, besondere Bedeutung zu. Reinsch stellt vier griechische Historiker mit vier unterschiedlichen Haltungen gegenüber dem Eroberer vor, von denen ihn zumindest einer (Kritobulos) auch als Patron der Künste und der Wissenschaften wahrnimmt.
Der Kunsthistoriker Jürg Meyer zu Capellen hat die Gelegenheit benutzt, Gentile Bellini als Bildnismaler des Sultans noch einmal zu würdigen und zu fragen, wo denn die vielen Porträts geblieben sind, die Gentile angeblich in Istanbul angefertigt hat. Die Aufgeschlossenheit Mehmets für Astronomie, Geographie und Medizin ist Gegenstand einer gelehrten und zugleich ost-westlich ausbalancierten Übersicht von John M. Rogers.
Eindeutig zu kurz kommt hingegen Mehmets Bautätigkeit sowie die seiner Wesire. Immerhin hat der langdienende und einflussreiche Mahmut Pascha (ein geborener Angelovic´) noch vor dem Sultan den Grundstein für den ersten großen Stiftungskomplex innerhalb der Mauern Istanbuls gelegt. In der Zeit des Eroberers entstanden in der Hauptstadt und den Provinzen etwa 1000 islamische Stiftungsgebäude. Ob diesem allerdings an der Schaffung eines „multikulturellen und religiös toleranten Weltreichs“ lag (so das Vorwort), sei dahingestellt.
Ungeachtet dieses Einwands: Der hier nur teilweise angezeigte, schön ausgestattete Band erlaubt den Zugang zu einem Herrscher, der den Besitz des zweiten Roms auch als kulturelle Herausforderung sah und weit entfernt von jener „Barbarei“ war, die Jacob Burckhardt im Anschluss an Ranke den zeitgenössischen Türken unterstellte.
Rezension: Prof. Dr. Klaus Kreiser




