Er hat nun das Wagnis unternommen, im Alleingang die Geschichte Südasiens von der Indus-Kultur bis zur Gegenwart darzustellen – und dies ist ihm im Großen und Ganzen gut gelungen. Indien bleibt im Mittelpunkt seiner Darstellung. Die Geschichte Nepals und Sri Lankas sowie Pakistans und Bangladeschs wird nur gelegentlich eingeblendet. Afghanistan wird nicht berücksichtigt. Birma (heute Myanmar), das ja bis 1936 zu Britisch- Indien gehörte, wird nur am Rand erwähnt.
Seine eigenen Forschungsgebiete hebt Arnold in dieser Gesamtdarstellung nicht besonders hervor, er geht aber über den Rahmen der politischen Geschichte immer wieder hinaus und bezieht die Kultur- und Sozialgeschichte mit ein. Die Wirtschaftsgeschichte wird ebenfalls hier und da berücksichtigt, aber sie gehört nicht zum Interessengebiet des Autors. Bei der Beurteilung der Wirkungen der britischen Kolonialherrschaft beschönigt Arnold die Ausbeutung durch die Kolonialherren nicht und weist auch auf die Hungersnöte hin, die in dieser Zeit die Bevölkerung dezimierten. Hier wie auch bei anderen strittigen Themen ist sein Urteil ausgewogen. Die Debatten über die Wanderungen der „Arier“ oder über den indischen Feudalismus referiert der Autor abwägend.
Der indische Freiheitskampf kommt jedoch bei Arnold etwas zu kurz, obwohl er selbst ein Buch über Gandhi geschrieben hat. Vielleicht hatte er das Gefühl, dass er sich zu diesem Thema bereits an anderem Ort genügend geäußert hat, und wollte seine ohnehin sehr umfangreiche „Geschichte Südasiens“ nicht mit weiteren Ausführungen belasten. Auch die politische Geschichte des unabhängigen Indien sowie die Geschichte Pakistans und Bangladeschs werden von ihm nur sehr kursorisch behandelt.
Als umfassende Synthese ist dieses Werk dem Leser jedoch dringend zu empfehlen. Es bietet einen guten Überblick und ist das Ergebnis von Jahrzehnten intensiver Beschäftigung mit dem Subkontinent.
Rezension: Prof. Dr. Dietmar Rothermund




