Schneeproben vom Mont Blanc sind 80mal so radioaktiv wie die gewöhnlicher Berge der Alpen, haben französische Wissenschaftler festgestellt. Der Zerfallswert des Blei-Isotops Pb-210 beträgt 8400 Becquerel pro Kubikmeter, während er auf anderen Alpengipfeln selten 110 Becquerel überschreitet. Michel Pourchet, Mitarbeiter des staatlichen Laboratoriums für Gletscherkunde, Umwelt- und Geophysik in Grenoble, nimmt an, daß uranhaltiger Granit die radioaktiven Isotope auf die Schneemassen überträgt. In der Zerfallskette entsteht dabei aus Uran das Edelgas Radon, dieses wiederum zerfällt zum Isotop Pb-210. Die Granit-Platten auf dem Mont Blanc sind im Unterschied zu anderen Bergketten stark zerfurcht. Aus den aufgebrochenen Spalten entweicht Radon in hoher Konzentration. Eine schützende Eisdecke, die anderswo die Übertragung der Isotope hemmt, hat sich auf dem 4808 Meter hohen Massiv nicht entwickelt. Die hohen Becquerel-Werte sind für Bergsteiger unbedenklich, versichert Michael Clark vom britischen National Radiological Protection Board: „Man könnte den geschmolzenen Schnee literweise trinken.”
Rüdiger Vaas





