Abends im Bett nochmal am Smartphone die E-Mails checken, ein Video schauen oder ein Spielchen spielen – immer wieder geistern Meldungen durch die Medien, die von derlei Aktivitäten vor dem Zubettgehen entschieden abraten. Begründet wird das mit dem von Smartphone-Displays ausgestrahlten blauen Licht, das angeblich einen negativen Einfluss auf den nächtlichen Schlummer hat, weil es die Freisetzung des Schlafhormons Melatonin beeinträchtigt. Zum Beweis werden diverse wissenschaftliche Publikationen angeführt, die bei der Benutzung von Smartphones kurz vor dem Schlafen vorsichtshalber das Aufsetzen einer Brille mit Blaufilter-Gläsern empfehlen. Allerdings kam eine finnische Metastudie, in der die Ergebnisse von 15 Einzeluntersuchungen zu dem Thema ausgewertet wurden, schon 2019 zu dem Ergebnis, dass eine zweistündige Exposition am Abend die Hormonbildung zwar kurzzeitig unterdrücke, der Effekt jedoch bereits nach 15 Minuten wieder nachlasse. Eine andere Untersuchung aus dem Jahr 2021, in der Wissenschaftler mehr als 10.000 erwachsene Teilnehmer zu ihrer Handynutzung am Abend befragten, ergab dagegen, dass längeres Auf-den-Bildschirm-Starren tatsächlich die Schlafqualität verschlechtere. Ob dieser Effekt aber auf das blaue Licht zurückzuführen war oder vielmehr die am Handy konsumierten Inhalte die zum Einschlafen erforderliche innere Ruhe – das, was man gemeinhin als „Herunterkommen“ bezeichnet – beeinträchtigten, blieb unklar.
Als Konsequenz derartiger Veröffentlichungen bieten viele Smartphones seit einigen Jahren die Möglichkeit, einen speziellen Nachtmodus einzuschalten, bei dem der Handybildschirm weniger blaues und dafür mehr gelbes Licht ausstrahlt. Doch das ist laut einer aktuellen Publikation eines Wissenschaftlerteams der Universität Basel, die im Dezember 2023 im Fachblatt Nature Human Behaviour erschien, offenbar auch nicht die Lösung. Im Schlaflabor untersuchten die Forschenden, wie lange die Testpersonen zum Einschlafen brauchten und wie tief ihr Schlaf war, nachdem sie am späten Abend jeweils eine Stunde lang weißem, gelbem oder blauem Licht ausgesetzt worden waren. Zudem stellten die Wissenschaftler Fragen zur subjektiv empfundenen Müdigkeit und testeten die Reaktionsfähigkeit der Teilnehmer, die bekanntlich mit zunehmender Schläfrigkeit abnimmt. Dabei fanden sie keinerlei Hinweise, wonach die Lichtfarbe auf diese Kriterien irgendeinen Einfluss hatte. Auch die Veränderung des Farbspektrums durch einen speziellen Nachtmodus ließ die Probanden weder schlechter noch besser schlafen.
Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass die Benutzung eines Smartphones vor dem Einschlafen bei dafür empfänglichen Personen möglicherweise tatsächlich die Schlafqualität verschlechtert. Diesen ist zu empfehlen, abends im Bett kein Handy mehr zu benutzen. Die Verwendung einer Brille mit Blaulichtfilter bringt jedenfalls offensichtlich ebenso wenig einen Nutzen wie das Einschalten eines speziellen Nachtmodus. Entscheidend für einen guten Schlaf scheint generell zu sein, den Augen abends im Bett so wenig künstliches Licht wie möglich zuzumuten.





