Ein spannender Western: Gangster verfolgen eine Kutsche und kommen ihr, wild um sich schießend, näher und näher. Der Kutscher treibt die Pferde zu äußerster Anstrengung an, die klapprige Karosse schwankt bedrohlich. Doch plötzlich scheinen die Räder des rasenden Gefährts stillzustehen – und dann drehen sie sich sogar rückwärts. Was ist passiert?
Schuld ist die Filmkamera: Sie macht von den extrem schnell rotierenden Speichen einfach nicht genügend Aufnahmen. Jeder Film besteht aus einer fortlaufenden Abfolge vieler Einzelbilder – bei aktuellen Kinoproduktionen sind es mindestens 24 pro Sekunde. Der Eindruck einer kontinuierlichen Bewegung wird nur dadurch hervorgerufen, dass das Gehirn die winzigen Pausen dazwischen mit einer Art von Nachbildern aus dem Kurzzeitgedächtnis füllt. Ähnlich wie bei einem Daumenkino: Ein bewegter Gegenstand befindet sich von Bild zu Bild an einer anderen Stelle, und die Zwischenstadien fügt unser Gehirn gemäß seinem Erfahrungsschatz hinzu. Nun sehen die Speichen der Räder aber alle gleich aus, das heißt, wir können sie nicht unterscheiden. Steht daher genau an der Stelle, an der sich auf Bild eins eine bestimmte Speiche befand, auf Bild zwei die benachbarte, so sieht es für uns aus, als stehe das Rad still.





