Eine turbulente Geschichte haben die winzige Diamantkörnchen hinter sich, die in den einfachsten Meteoriten gefunden wurden. Wie Forscher um Ulrich Ott vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz im Journal Nature berichten, wurden die Körnchen, die vermutlich bei Supernova-Explosionen entstanden, mehrmals mit energiereichen Edelgas-Ionen bestrahlt.
Experimente der Max-Planck-Forscher ergaben, dass die Diamanten nach der Kondensation aus der Explosionswolke zunächst eine Ladung Helium-, Argon-, Krypton und Xenon-Ionen aus der Supernova abbekommen haben müssen. Diese Ionen setzten sich in den nur wenige Milliardstel Meter großen Körnchen fest, entkamen aber zum Teil wieder.
Die Supernova-Edelgase hatten eine ungewöhnliche Isotopen-Zusammensetzung, die sich vom üblichen Verhältnis unterscheidet. Später müssen die Diamanten, die die häufigsten präsolaren Minerale in Meteoriten sind, noch ein weiteres Mal bestrahlt worden sein, diesmal aber mit Edelgas-Ionen, die ein normales Isotopenverhältnis hatten. Das geschah entweder im interstellaren Raum oder im frühen Sonnensystem. Danach wurden die Körnchen nicht mehr über längere Zeit erhitzt, sonst hätte sich das Isotopen-Verhältnis noch einmal verändert.
Die Forscher stellten in ihrem Experiment mit irdischen Nano-Diamanten fest, dass das in den Diamanten erhaltenen Isotopen-Verhältnis sich von der ursprünglichen Zusammensetzung der Strahlung unterscheidet. Das könnte Auswirkungen auf das bisherige Verständnis der nuklearen Prozesse haben, die in einer Supernova ablaufen.
Außer Diamant gibt es in Meteoriten noch Sternenstaub-Körner aus Siliziumkarbid, Korund, Graphit und Siliziumnitrid – alles besonders stabile Minerale. Diamant hat einen Gewichtsanteil von 0,1 Prozent an den Meteoriten. Dass die Körnchen aus der Asche sterbender Sterne geboren wurden, beweist vor allem das ungewöhnliche Xenon-Isotopenverhältnis.
Ute Kehse





