Die Dürrephasen im Sahel hatten bislang stets natürliche Ursachen, wie die Wissenschaftler am Bremer Meeresforschungszentrum Marum anhand von Sedimentproben herausfanden. Dennoch stießen die Forscher bei ihrer Expedition nach Westafrika auch auf eindeutige Spuren von Effekten, die der Mensch verursacht hat. „Die Menge an Staub aus der Sahelzone, die auf dem Grund des Atlantiks abgelagert wurde, hat in den letzten 200 Jahren drastisch zugenommen”, sagt Stefan Mulitza. Als Beleg zückt der Meeresgeologe ein Diagramm, das die während der letzten 3200 Jahre in den Sedimenten angehäuften Staubmengen zeigt. Bis weit ins 18. Jahrhundert erkennt man ein behäbiges Auf und Ab, doch danach begann ein rasanter Anstieg. Die ins Meer geblasene Staubmenge hat sich seither von der klimatischen Entwicklung abgekoppelt: In den letzten 250 Jahren fiel in der Sahelzone relativ viel Niederschlag. Die Staubmengen in den Sedimenten hätte daher eigentlich geringer ausfallen müssen. Dass dennoch immer mehr Staub vom Wind in Richtung Atlantik verfrachtet wurde, führt Mulitza auf die intensivere landwirtschaftliche Nutzung der Region zurück.
Seit Beginn der französischen Kolonialherrschaft bauen die Landwirte im Sahel vor allem für den Export bestimmte Pflanzen wie Erdnüsse und Baumwolle an. Diese benötigen Licht, weshalb für eine Plantage viele Bäume weichen mussten. Die offenere Landschaft bot der Erosion deutlich mehr Angriffsfläche. „ Außerdem müssen die Bauern die Böden immer wieder aufhacken, was die Winderosion der oberen Bodenschichten verstärkt”, erklärt Mulitza. Der Bremer vermutet: „Auch wenn die Dürre ab den 1970er-Jahren durch das Wirken des Ozeans ausgelöst wurde, könnte der höhere Staubgehalt der Atmosphäre ihr Ausmaß und ihre Folgen lokal deutlich verstärkt haben.”





