Einer der Gründe für die urbane Sommerhitze heißt Automobil. So praktisch sie sein können, wenn schwere Dinge geliefert oder etwa Kranke transportiert werden müssen, so sehr sind sie im Weg, wenn sie nicht gebraucht werden. Die meisten Autos in der Stadt sind nämlich gar keine Fahrzeuge, sondern Stehzeuge, wie der österreichischer Zivilingenieur und Verkehrsplaner Hermann Knoflacher sie Anfang des Jahrtausends genannt hat. Um fortzufahren: „Wir ziehen uns mehr oder weniger freiwillig in abgedichtete Häuser mit Lärmschutzfenstern zurück, um den Außenraum dem Krach, dem Staub und den Abgasen der Autos zu überlassen.“ Und der Hitze, muss man ergänzen.
Schon Automobile in Bewegung verursachen Lärm und Dreck und benötigen unverhältnismäßig viel Platz, aber parkende sind noch schlimmer. Sie verhindern nicht nur, dass man statt der Parkplätze Bäume pflanzt – die ja bekanntlich das mächtigste Mittel gegen die städtische Überhitzung sind. Sondern abgestellte Pkw sorgen im Sommer auch dafür, dass der aufgeheizte Boden nur sehr langsam abkühlen kann. Und das wird mit E-Mobilen übrigens keineswegs besser, die nicht nur deshalb von vielen Fachleuten und aus guten Gründen lediglich als Übergangstechnologie bezeichnet werden.
Straßen sind letztlich nichts anderes als für den Kraftfahrzeugverkehr versiegelte Bodenflächen. Schon unbeschatteter Asphalt- oder Betonboden heizt sich an Sonnentagen stark auf. Aber wenn Autos drauf parken, ist es noch schlimmer. In der Nacht staut sich die Hitze vor allem in engen Gassen, in denen es oft keine Bäume, dafür aber jede Menge parkender Autos gibt. Die erwärmen sich tagsüber und müssen nachts erst wieder abkühlen. Falls das überhaupt gelingt. Denn an heißen Tagen können Autos sich nicht nur außen, sondern auch innen locker auf 60 Grad Celsius aufheizen. Und bis da die Temperatur fällt, dauert es eine Zeit lang.
Außerdem können sich unter den Fahrzeugen Wärmepolster bilden, die ihre Wärme erst in der Nacht langsam abgeben. Unter Umständen ist so bereits die halbe Nacht verstrichen, bis es in solchen Gassen beginnt, kühler zu werden. In sogenannten Tropennächten, in denen es um 2 oder 3 Uhr in der Früh noch über 20 Grad Celsius hat, kann man die Abkühlung gleich ganz vergessen. Wenn man so will, gibt es Standheizungen, die früher als teures Extra galten, im Sommer in der Stadt bei den meisten Autos jetzt serienmäßig für alle. Auch wenn man gar keinen Führerschein besitzt. So geht Umverteilung!
Der Luft im Weg
Darüber hinaus stehen Autos nicht nur der warmen Luft im Weg, sondern auch der kühleren. Schließlich handelt es sich um Gegenstände, durch die man nicht einfach hindurchgehen kann. Außer natürlich, man macht die Türen auf – was man von Slapstickeinlagen während Verfolgungsjagden in beliebten Filmklamotten kennt, etwa wenn Charlie Chaplin als Streuner vor der Exekutive flieht. Die Luft muss also den Autos ausweichen, wird abgebremst, erwärmt und am Strömen gehindert. Wegen dieser zusätzlichen Hindernisse gelangt deshalb viel weniger kühlende Nachtluft in die heißesten Bereiche in der Innenstadt als ohne parkende Autos.





