Bereits in der Einleitung wird deutlich, welche Zielgruppe angesprochen wird: Der Laie, der das Abenteuer Archäologie mit spannenden Geschichten und Befunden sucht. In leicht verständlicher Sprache skizziert McEvedy die Entwicklung einzelner Städte, fügt interessante Anekdoten und schematische Pläne bei. In der Gesamtheit sind die Beiträge mehr als eine Anregung zu verstehen, als dass sie als ein nützliches Nachschlagewerk zu charakterisieren wären. Kontexte werden nur dort geschaffen, wo es einer Erklärung bedarf; historische und politische Zusammenhänge der Städte und Regionen untereinander finden keine Beachtung. Das Abbildungsmaterial ist in der Regel weniger nützlich: Die Pläne stützen die Beschreibung des Textes, wer sich jedoch konkret mit der Topographie einzelner Städte beschäftigen möchte, muss nach weiteren Bildern recherchieren. Ob die weiterführende Literatur dieses Manko auffangen kann, bleibt zu bezweifeln: Häufig werden hier lediglich Reiseführer, teils in veralteten Auflagen, aufgeführt. Der Anspruch, einen Einblick in die Fachliteratur zu geben, wird allerdings auch nicht erhoben.
Bei Städten, die umfassend publiziert sind, gelingt McEvedy eine übersichtliche Zusammenstellung. Andernorts präsentiert er leider einen unvollständigen oder veralteten Forschungsstand: Da wird beispielsweise die mittelalterliche Weiterentwicklung Xantens weggelassen, sodass die von McEvedy erwähnten Legenden und Bauten unpräzise im Raum stehen bleiben. Die vorgelegten Berichte rund um Märtyrer und Klostergründungen sind des Weiteren archäologisch nicht eindeutig nachweisbar und beruhen auf einer überinterpretierten Auslegung der Schriftquellen (wie die Forschung schon des Längeren eingeräumt hat). Mag man diesen Fehler eines im Gesamtkontext des Imperium Romanum eher unbedeutenden Ortes noch verzeihen, fallen die Unzulänglichkeiten bei Städten wie Konstantinopel gravierender ins Gewicht: Methodisch geht McEvedy zwar geschickt auf die ägyptische Getreidezulieferung bei der Berechnung der Bevölkerungszahl ein, recherchiert hier jedoch die historische Entwicklung nicht sauber weiter – und so kommt es, dass die Stadt in mittelbyzantinischer Zeit auf dem Höhepunkt der Macht mit einer sehr niedrigen Bewohnerzahl angegeben wird. Insgesamt sind und bleiben derartige Berechnungen kritisch, McEvedys stets niedrig angesetzten Zahlen stehen in der Tradition seines Lebenswerkes. Zumindest bemüht er sich, die bisherigen Ansätze der Forschung in knappen Worten zusammenzustellen.
Letztlich stellt sich die Frage, wie McEvedy die Auswahl seiner „Zentren“ getroffen hat. Die wichtigsten ihrer Zeit werden genannt, und nimmt man die Karte auf der ersten Seite zur Hand, wirkt die Verteilung über das gesamte Mittelmeerbecken geographisch ausgeglichen. Bei näherer Betrachtung bleiben Fragen: In Spanien fehlt etwa Cádiz, immerhin eine der ältesten Niederlassungen im Westen. In Frankreich wäre Nîmes und dessen gallo-römische Kultur eine wünschenswerte Erwähnung gewesen, während weiter im Osten beispielsweise die ehemalige Kaiserresidenz Izmit (Nikomedia) zur Vollständigkeit beigetragen hätte.




