Der Geldschwemme entsprach eine Sklavenschwemme, denn die besiegten Gegner wurden versklavt, falls sich keine lukrativeren Alternativen boten wie etwa der Freikauf Kriegsgefangener durch Verwandte und Freunde. Dass Massenversklavungen wie die von 15 000 Epiroten im Jahr 168 zu einem Preisverfall führten, liegt auf der Hand. Wenn sich bei der Vernichtung Korinths und Karthagos 146 v. Chr. die Zahl der Versklavungen in Grenzen hielt, dürfte dies auch als Indiz für eine gewisse Sättigung des Markts zu werten sein.
Außer durch militärische Aktionen wurden die Sklavenmärkte Vorderasiens (Sidon, Magnesia am Mäander, Ephesos), auf Kreta und Delos, in Tanais am Don und Aquileia, Syrakus, Brundisium, Capua, Puteoli und Rom durch organisierte Räuber und Piraten gespeist. Hinzu kamen der individuelle Menschenraub, die Aufnahme von Findelkindern und der Verkauf von Kindern. Antike Autoren wie Diodor und Strabo berichten, dass römische Händler bei Galliern, Germanen und Skythen Wein, Olivenöl und andere Zivilisationsgüter gegen Sklaven, Tierhäute und Vieh eintauschten. Der Grabstein des freigelassenen Sklavenhändlers Aulus Caprilius Timotheus aus Amphipolis am Strymon illustriert dies. Das Relief oberhalb der Inschrift zeigt den Verstorbenen beim Totenmahl. Auf dem Relief ganz unten ist ein Zug von acht Männern in kurzer Tunika zu sehen, gefolgt von zwei Frauen mit je einem Kind an ihrer Seite. Die Männer tragen Halsringe, die mit einer Kette verbunden sind. Es handelt sich um eine Gruppe von Sklaven beiderlei Geschlechts, die ein Mann im Kapuzenmantel anführt. Offenbar wurde der verstorbene Sklavenhändler in Ausübung seines Berufs ins Bild gesetzt. Im Kontext der Bildfolge kann auch das mittlere Relief nur auf dessen Geschäfte Bezug nehmen; Amphore und Kanne rechts im Bild legen eine Verbindung zum Weinhandel nahe. Die großen offenen Kessel dürften allerdings eher auf die Kelter der Trauben als auf den Transport des Weins zu beziehen sein.
Gerade im Weinbau erfolgte allerdings der Einsatz von Sklaven eher zurückhaltend. Für einen Weinberg von 100 iugera (25 Hektar) genügten nach Einschätzung der römischen Fachschriftsteller zehn Sklaven. Noch geringere Ansätze galten für Olivenbestände. Obligatorisch waren in beiden Produktionszweigen der unfreie Gutsverwalter und die Wirtschafterin, zudem ein Eseltreiber und ein Schweinehirt. Dar‧über hinaus genügten beim Olivenanbau fünf Arbeiter und drei Pflüger für einen Bestand von 240 iugera. Zusätzlich sollte ein Schäfer seine Herde zwischen den Bäumen grasen lassen. Die Masse der Sklaven kann demnach nicht in diesen Bereichen eingesetzt gewesen sein. Dasselbe gilt für den Garten- bzw. den Gemüsebau. Sicher lassen sich in allen Produk‧tionszweigen Sklaven als Arbeiter nachweisen, mit großen Zahlen ist aber nur in der Getreide- und in der Viehwirtschaft zu rechnen. Als eine Folge der römischen Expansion für die Landwirtschaft Italiens beklagten schon die Zeitgenossen die Verelendung des Kleinbauerntums. Eine von Plutarch dem Tiberius Gracchus in den Mund gelegte Rede schildert die sozialen Verhältnisse recht anschaulich. Die römischen Bürgersoldaten der Legionen, aber auch die Soldaten der von den Bundesgenossen gestellten Auxiliartruppen kämpften praktisch kontinuierlich auf den Kriegsschauplätzen des westlichen und des östlichen Mittelmeerraums. Die von Livius in das Jahr 171 v. Chr. gelegte Rede des Spurius Ligustinus aus dem Sabinerland darf als repräsentativ gelten. Die Bauernhöfe der Soldaten lagen brach und verödeten. Ihre Familien zogen in die nahen Städte oder direkt nach Rom, zumal sich die traditionelle Bewirtschaftung nicht mehr rentierte. Getreideimporte zur See (aus Sizilien, Spanien und Nordafrika) waren wesentlich billiger als die auf dem Landweg transportierten Kornlieferungen Italiens. Vermögende Senatoren und Ritter kauften die von den Kleinbauern aufgegebenen Parzellen preiswert auf und ließen ihre Landgüter etwa in Etrurien von Sklaven bewirtschaften. Für diese reichen Grundbesitzer lohnten sich auch langfristige Investitionen in Wein‧berge und Olivenanbau, welche die Kleinbauern überfordert hätten. Versklavte Arbeitskräfte waren billig zu bekommen und auch im Unterhalt preiswert.




