Die Nationalsozialisten griffen auf bereits in der Weimarer Republik gebräuchliches, ursprünglich neutrales Vokabular zurück und ideologisierten es durch eine Bedeutungsänderung oder -einschränkung. Begriffe wie „Volk“, „Volksgemeinschaft“, „deutsch“, „national“ und „Führer“ wurden stark überhöht, andere wie „Demokratie“, „Juden“, „Bolschewisten“ und „Novemberrepublik“ extrem negativ besetzt. Sie erhielten dadurch eine ausgrenzende Bedeutung.
Hierzu trug auch die verstärkte Nutzung rassenideologischer Termini wie „Blut“, „Rassereinheit“, oder „germanisch“ bei. Durch eine Umkehrung der Täter-Opfer-Perspektive wurde den Deutschen überdies beständig suggeriert, sie müssten vor angeblichen „Staats- und Volksfeinden“ ge‧schützt werden. Die tatsächlich praktizierten Terrormaßnahmen wurden tabuisiert oder durch scheinbar harmlos klingende Begriffe wie „Schutzhaft“, „Sonderbehandlung“ oder „Endlösung“ verschleiert. All dies förderte die Akzeptanz der Verfolgungs- und Vernichtungspolitik des Regimes in der Bevölkerung.
Der Vorbereitung auf den Krieg diente die Militarisierung von Alltagsbegriffen. Geburtenförderung wurde zur „Geburtenschlacht“, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zur „Arbeitsschlacht“, der sorgsame Umgang mit Lebensmitteln zum „Kampf dem Verderb“, der Luftkrieg zur „Luftschlacht“. Am Ende all dieser sprachlenkenden Maßnahmen stand eine durch Bürokratismen, Abkürzungen und Militarismen gekennzeichnete offizielle Staatssprache, die kaum abweichende Äußerung zuließ und häufig Eingang in die Alltagssprache fand.
Detailliert beschreibt Schlosser die sprachlichen und propagandistischen Mittel, die den Nationalsozialisten dazu dienten, ihre Herrschaft zu festigen. Er bettet seine Beispiele – zuweilen etwas zu weitschweifig – in die historischen Zusammenhänge ein. Das Buch überzeugt, wo es sich der Analyse der Sprache und der entsprechenden Instrumentalisierung widmet.
Rezension: Dr. Claudia Steur





