Für seine Recherche hat Quammen mit Forschern und Ärzten weltweit gesprochen, sie in Labors und Krankenhäusern besucht. Er hat sich mit Wildführern und Wissenschaftlern dorthin begeben, wo es zu den verhängnisvollen Begegnungen von Menschen, Wildtieren und winzigen Keimen kommt: in den Dschungel des westafrikanischen Gabun, auf Wildtiermärkte im Süden Chinas, zu den von Affen bevölkerten heiligen Stätten in Bangladesch.
Was Quammen in seinem Buch präsentiert, ist investigativer Journalismus im besten Sinne, spannend erzählt und ganz ohne apokalyptische Panikmache. Seine Botschaft ist faktenreich illustriert: Zwar hat es Zoonosen schon immer gegeben, doch die wachsende Gefahr, die von überspringenden Keimen für die Weltbevölkerung ausgeht, ist von Menschen gemacht. Sie wächst, weil Menschen immer häufiger in unberührte Ökosysteme vordringen, weil ihr Appetit auf Wildfleisch steigt und weil die moderne Massentierhaltung und der globale Transport von Menschen und Gütern zunimmt.
Der Autor gibt Einblicke in das ökolo gi sche Zusammenspiel von Viren und ihren Wirtsorganismen. Dabei wird klar: Infektionen sind keine „Unfälle”, sondern das Ergebnis von Jahrmilli – onen gemeinsamer Evolution. Wenn Menschen dieses Arrangement stören, der Wirtspopulation auf den Leib rücken, sie aus ihrem Ökosystem verdrängen und dieses zerstören, wächst das Risiko für den nächsten „Spillover”.
Ute Schönfelder





