Das zum Haus Wittelsbach gehörende Gebiet musste territoriale Umstrukturierungen, Aufteilungen und sogar das politische Ende 1803 in Kauf nehmen, bevor die Münchner Dynastie 1816 nach dem Ende Napoleons in eine geographisch modifizierte linksrheinische Pfalz zurückkehrte. In den sechs turbulenten Jahrzehnten zwischen 1789 und 1848, in der die Pfalz zum Spielball europäischer Mächte wurde, nahm die Region links und rechts des Rheins eine unterschiedliche Entwicklung, die bei der Bevölkerung bestimmte regionalspezifische Prägungen und kulturelle Erfahrungen hinterließ. Zu keinem früheren und zu keinem späteren Zeitpunkt in ihrer Geschichte durchlief diese Region einen vergleichbaren Transformationsprozess.
War der Ausbruch der Französischen Revolution von deutschen Schriftstellern, Publizisten und Intellektuellen noch als „Morgenröte“ einer neuen Zeit gepriesen worden, so änderte sich die Stimmung mit den Revolutionskriegen grundlegend. Der Export der Revolution nach Europa, der unter der Parole „Krieg den Schlössern, Friede den Hütten“ zur Befreiung noch unterdrückter Völker aufrief, offenbarte eine messianische und ideologische Botschaft zugleich. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die an Frankreich angrenzende Kurpfalz in den Krieg einbezogen wurde, den die Girondisten mit rhetorischer Emphase als „Freiheit durch Befreiung“ propagiert hatten. Ungeachtet der drohenden Kriegsgefahr war es in einigen Orten bereits 1792 spontan zur Errichtung von Freiheitsbäumen und zur Gründung revolutionärer Klubs gekommen. Ein Jahr später verlangten 33 Gemeinden in der Südpfalz sogar den Anschluss an Frankreich, womit die Stadt Landau ihren Status als französische Exklave verloren hätte. Mit den Revolutionskriegen brachen schwere Zeiten für die Kurpfalz an.
Das Kriegsglück zeigte sich von seiner launischen Seite und führte zu wechselnden Besetzungen, Belagerungen und Kontributionen. Den Anfang machte der General Adam Philippe Comte de Custine, der im Herbst 1792 nacheinander die Städte Speyer, Worms und Mainz einnahm. Mit der Ausrufung der „Mainzer Republik“ im März 1793 durch den dortigen Jakobinerklub rückte der Krieg aus Sicht der Regierung immer näher an die Kurpfalz heran. Angesichts der massiven militärischen Bedrohung ließ sich der von Kurfürst Karl Theodor verordnete Neutralitätskurs kaum länger aufrechterhalten. Ende 1793 fiel das gesamte linke Rheinufer an Frankreich, und die Österreicher und Preußen wurden zum Rückzug über den Rhein gezwungen. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 09/2013.
Prof. Dr. Erich Pelzer




