Ziemlich am Anfang des Rundgangs durch das DDR Museum gibt es eine Kostprobe dessen, was die Macher der privat finanzierten Einrichtung mit ihrem Slogan „Geschichte zum Anfassen“ meinen: Durch ein Loch in einer Schrankwand können die Besucher die Konsistenz des Mischkaffees ertasten, der 1977 in den Läden des real existierenden Sozialismus statt des üblichen „Rondo“-Kaffees zum Verkauf stand. Aus 51 Prozent Bohnen, 34 Prozent Roggen und Gerste sowie jeweils fünf Prozent Zuckerrüben, Dinkel und Zichorie setzte sich diese Mischung zusammen. Das im Volksmund „Erichs Krönung“ genannte Produkt, das die Kaffeemaschinen ruinierte, wurde so zusammengestellt, weil die Kaffee-Weltmarktpreise damals zu hoch waren für das an Devisen arme Land. Ein Fall von Mangelwirtschaft – und Beispiel für den pragmatisch-improvisatorischen Umgang damit.
Ob der Tast-Test die beste sinnliche Erfahrung dieser Episode bietet (Wie hat dieses Gebräu wohl geschmeckt?!), sei dahingestellt. Aber es ist eine einfache Annäherung an das, was von der DDR geblieben ist, ein kleines alltägliches Versatzstück davon. Und es offenbart den Ansatz der Museumsmacher: Ausgestellt werden nicht etwa wertvolle Raritäten, sondern weitgehend banale Gegenstände und Produkte einer vergangenen Zeit, die etwas über die Lebensumstände aussagen und zu einem großen Teil in die Hand genommen werden dürfen. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 06/2013.
Stefan Bergmann





