Anders ist es auf dem Mars. Dort gibt es jeden Tag irgendwo eine Sonnenfinsternis. Denn die beiden Marsmonde Phobos und Deimos sind dem Mars deutlich näher und sorgen so für zahlreiche, jedoch nie totale Finsternisse. Dafür sind die beiden mit ihren 15 beziehungsweise 27 Kilometer Durchmesser zu klein. Auf einem Bild, das der Mars-Rover Perserverence am 8. Februar dieses Jahres aufgenommen hat, sieht die Sonnenfinsternis daher eher aus wie ein riesiges Glubschauge am Himmel.
Und das ist nicht das erste seltsame Bild eines vermeintlichen menschlichen Körperteils, das uns vom Mars erreicht: 2004 hat der Rover Spirit zur großen Freude des gesamten Internets durch ein Wendemanöver eine nicht ganz jugendfreie Form am Marsboden hinterlassen, wie sie sich auch auf der Erde häufig in urbanen Regionen als Graffiti wiederfindet. Ja, der Mars-Rover hat offenbar unabsichtlich einen Penis in den Sand gemalt – und für uns danach auch gleich ein Foto davon gemacht.
Doch machen Sie nicht die vermeintlich spätpubertären NASA-Ingenieure dafür verantwortlich, sondern lieber Ihr eigenes Gehirn. Denn zum Phallus wird das Bild erst in Ihrem Kopf. Das nennt man Pareidolie. Nein, das ist nichts Schmutziges. Pareidolie bezeichnet das Phänomen, in Gegenständen und Mustern vermeintliche Gesichter oder andere vertraute Dinge zu erkennen, obwohl eigentlich nichts dergleichen zu sehen ist. Unser Gehirn spielt uns gewissermaßen einen Streich, indem es das macht, was es am besten kann, nämlich Muster zu vervollständigen.
Ein exzellentes Beispiel, das sich ebenso auf dem Mars befindet, ist eine „Tür“, die im Mai 2022 vom Rover Curiosity fotografiert wurde. Es ist wirklich kaum zu glauben, dass es sich dabei um eine natürliche Felsformation handelt. Mein Wissenschaftlerinnengehirn sagt: Das ist eindeutig eine natürliche Felsformation. Und trotzdem sehe ich ein antikes Portal wie direkt aus Indiana Jones.
Kanäle durch die Mars-Wüste
Der Mars hat eine lange Tradition als Bühne unseres Wunschdenkens. Sie kennen sicher das „Marsgesicht“, das 1974 von der Sonde Viking 1 fotografiert wurde, aber begonnen hat es schon viel früher mit den Marskanälen. Als mehr und mehr klar wurde, dass der Mars in gewisser Weise der Erde ähnelt – etwa in Hinblick auf Tageslänge und Jahreszeiten –, wurde natürlich auch über mögliches Leben auf dem Mars spekuliert. 1877 beobachtete der Astronom Giovanni Schiaparelli als Erster lange, geradlinige Strukturen auf der Marsoberfläche, und nannte sie Canali. Bei der nächsten Marsopposition wurden die Kanäle von anderen Beobachtern bestätigt, allerdings mit anderem Verlauf. Doch anstatt die Existenz der Kanäle zu hinterfragen, war die Schlussfolgerung: Die Kanäle haben sich verändert, also muss dort gebaut worden sein! Man hielt die Strukturen für Bewässerungskanäle, Megastrukturen einer sterbenden Zivilisation, die versucht, ihren vertrocknenden Planeten zu retten.





