Rom schwelgte im Luxus, wurde zunehmend dekadent und verschwand schließlich von der Bildfläche. Eine korrekte Beschreibung? Mitnichten – eher ein grobe Vereinfachung, die nicht zielführend ist. Hier hilft nur der differenzierende Blick. Die Zurschaustellung des Reichtums, die seit dem 2. Jahrhunderts v. Chr. in weiten Teilen der römischen Oberschichten zur Mode wurde, wäre völlig überbewertet, würde man darin den entscheidenden Grund für langfristigen Niedergang und Verfall erkennen wollen.
Die Hinwendung zum Luxus war zunächst einmal Teil eines – angesichts der Tatsache, dass Rom die Welt beherrschte und die Führungsschicht stets neuen Anforderungen ausgesetzt gewesen ist – fast schon normalen Prozesses der Transformation. Die römische Oberschicht machte einen Strukturwandel durch, ohne damit ihre Substanz zu verlieren. Die historischen Fakten sind diese: Ihren Höhepunkt erlebte die römische Luxus-Manie im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. Da hatte fast jeder Senator genauso wie jeder Ritter seine Villa, sein Fischbecken, seine standesgemäße Karosse, feierten Senatoren und Ritter ordentliche Gelage. Zugleich erstickte Rom in dieser Zeit im politischen Chaos, die Aristokratie war zerstritten, es kam zu erbittert geführten Bürgerkriegen, die in die Monarchie des Kaisers Augustus mündeten. Darin spiegelt sich schon wider, dass zu dieser Zeit der Konsens der Eliten schwand, weil der Fokus der Handelnden auf dem eigenen Interesse lag und nicht auf den Bedürfnissen der Republik.
Diese Entwicklung führt jedoch nicht direkt in den „Untergang“ des Römischen Reiches in der Spätantike, auch wenn in diesem Zusammenhang immer mal wieder, sogar bis in die öffentliche Diskussion der Gegenwart hinein, eine „spätantike Dekadenz“ genannt wird. Das Römische Reich ging gewiss nicht allein deswegen unter, weil seine führenden Protagonisten lieber in der Hängematte lagen, als sich um die Politik zu kümmern. Dafür waren vielmehr bestimmte, auch längerfristige politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen ausschlaggebend, die in der Kombination den Koloss „Imperium Romanum“ erst ins Wanken und dann zum Sturz brachten. Dazu zählen vor allem: instabile Verhältnisse an der Reichsspitze (häufige Kaiserwechsel), die Bedrohung der Grenzen von außen (Völkerwanderungen), ruinöse Staatsfinanzen (Inflation) sowie die mentale Abkehr der Menschen vom Staat (vor allem wegen der Steuerpolitik). …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 07/2013.
Prof. Dr. Holger Sonnabend




