Vor 2000 Jahren bestand die Weltbevölkerung aus schätzungsweise 190 Millionen Menschen. Bis zum Jahr 1800 wuchs sie um etwas mehr als das Fünffache auf eine Milliarde, in den letzten 200 Jahren dann noch mal um den Faktor acht. Im Sommer dieses Jahres werden wir also rund acht Milliarden Menschen auf dem Planeten sein. Irgendwann werden wir so die Grenzen unserer natürlichen Ressourcen erreichen, die Frage ist nur: wann?
In der Ökologie bezeichnet man die Nutzungsgrenze eines Systems als dessen Tragfähigkeit. Die der Erde liegt den meisten Schätzungen zufolge zwischen 4 und 16 Milliarden Menschen, wobei vereinzelt auch Werte von nur 2 bis hin zu 120 Milliarden genannt werden – abhängig davon, wie optimistisch oder pessimistisch man den technologischen Fortschritt extrapoliert.
Die Sorge, dass wir nicht ewig so weitermachen können, ist nicht neu. Schon im 18. Jahrhundert orakelte Thomas Malthus, dass es mit der Menschheit bergab gehen werde. Er ging davon aus, dass die Bevölkerung schneller wachsen als die Produktion von Nahrungsmitteln zunehmen würde. Wenn wir also nicht rechtzeitig aufhören würden, uns zu reproduzieren, müssten wir fortan in suboptimalen Verhältnissen leben. Dieses Problem wurde im Jahr 1968 von Paul Ehrlich in seinem Buch „Die Bevölkerungsbombe“ dramatisiert. Ehrlich prophezeite, dass uns schon in den 1980er-Jahren regelmäßig Nahrungsmittelknappheiten und Hungersnöte heimsuchen würden. Doch tatsächlich hat sich die Nahrungsmittelversorgung seit Ehrlichs Buch im Durchschnitt weltweit verbessert.
Auch der Club of Rome sagte im Jahr 1972 in seinem berühmten Buch „Die Grenzen des Wachstums“ ein ähnliches Problem voraus: Die Weltbevölkerung werde Mitte des 21. Jahrhunderts ein Maximum erreichen und danach rasch kleiner werden, wenn wir nicht vorsichtiger mit unserer Umwelt umgehen. Neueren Analysen zufolge war die Vorhersage des Club of Rome bemerkenswert akkurat. Tatsächlich ist das Wachstum der Weltbevölkerung inzwischen deutlich langsamer geworden. In den vergangenen 50 Jahren haben wir etwa alle zwölf Jahre eine Milliarde Menschen zugelegt. Das ist ein lineares Wachstum, und der Trend deutet darauf hin, dass wir uns einem Wendepunkt nähern.
Die Weltbevölkerung in 2100
Im Oktober 2020 veröffentlichte das Fachjournal The Lancet eine umfassende Studie von Forschern der University of Washington zur Entwicklung von Bevölkerungstrends bis zum Jahr 2100. Mithilfe datenbasierter Modelle wurden darin Migration, Bildung, Verbreitung und Einsatz von Verhütungsmitteln sowie andere Faktoren vorhergesagt und ihre Einflüsse auf die Lebenserwartung und Geburtsrate berechnet. Der Studie zufolge wird die Weltbevölkerung im Jahr 2064 mit 9,73 Milliarden ein Maximum erreichen und bis 2100 auf 8,79 Milliarden fallen. Doch in vielen Entwicklungsländern, wo Familien nach wie vor kinderreich sind und sich die Lebensumstände weiter verbessern, werden die Bevölkerungszahlen weiter ansteigen. Die Einwohnerzahl von Nigeria etwa soll von derzeit 206 Millionen auf 791 Millionen anwachsen. Im Jahr 2100 würde es damit mehr Nigerianer als Chinesen geben. Die Bevölkerung von Niger soll sich in derselben Zeit gar um den Faktor neun vergrößern, von derzeit 21 auf 185 Millionen. In den USA und auch Großbritannien soll die Bevölkerungsgröße dank Migration etwa konstant bleiben und die von Norwegen und Schweden sogar noch um ein paar Millionen ansteigen. In den meisten Industrieländern hingegen werden die Bevölkerungszahlen sinken. Die von China, Spanien, Portugal, und Japan wird sich bis 2100 etwa halbieren. In Deutschland ist der Bevölkerungsschwund nicht ganz so rapide: Ende des Jahrhunderts werden wir der Studie zufolge noch etwa 66 Millionen sein.





