Zwei amerikanische Physiker haben Zweifel an der Existenz Schwarzer Löcher angemeldet. Sie verweisen auf physikalische Ungereimtheiten und propagieren statt dessen eine neue Theorie: Bei den angeblichen Schwarzen Löchern könnte es sich in Wirklichkeit um ein bisher unbekanntes Phänomen, so genannte “Gravastars” handeln. Das berichtet das britische Wissenschaftsmagazin “New Scientist” (Ausgabe vom 19. Januar).
Nach der bisher weitgehend anerkannten Theorie besteht ein Schwarzes Loch aus einer ungeheuren Zusammenballung von Materie. Um aus der Erde ein Schwarzes Loch zu erzeugen, müsste man sie auf einen Durchmesser von 1,8 Zentimetern zusammenpressen. Der Schwerkraft nahe eines solchen Objekts ist so groß, dass nichts daraus herauskann ? selbst Licht nicht, weshalb Schwarze Löcher völlig dunkel erscheinen. Die meisten Astrophysiker glauben, dass ein solches Objekt entstehen kann, wenn ein schwerer Stern am Ende seines Leben in sich zusammenfällt.
Emil Mottola vom Los-Alamos-Labor in und Pawel Mazur von der Universität South Carolina weisen jedoch darauf hin, dass bei der Theorie der Schwarzen Löcher einige physikalische Grundsätze einfach unter den Teppich gekehrt wurden. So seien in den frühen Theorien quantenmechanische Phänomene gar nicht berücksichtigt worden. Letztlich ungeklärt sei auch die Frage, woher die Entropie ? das physikalische Maß für die Unordnung – eines Schwarzen Lochs stammt, die beim Zusammenfallen eines Sternensystems um viele Größenordnungen anwächst.
Nach ihrem Modell der “Gravastars” sind die vermeintlichen Schwarzen Löcher in Wirklichkeit Blasen mit Hüllen aus extrem verdichteter Materie. Mit Temperaturen nahe des absoluten Nullpunkts sind diese Blasen extrem kalt ? so kalt, dass sie keine Strahlung abgeben und daher schwarz erscheinen. Sie bestehen aus einem so genannten Bose-Einstein-Kondensat (BEC), bei dem sich alle Atome im selben quantenmechanischen Zustand befinden.
Die Oberfläche dieser Blasen entspreche genau dem Ereignishorizont des Schwarzen Lochs. Im Innern der Blase verändert sich die Raumzeit extrem, haben Mazur und Mottola ausgerechnet: Materie, die nach innen fällt, kehrt daher um und wird wieder zurück an die Schalenwand gezogen werden. Von außen kommende Materie hingegen “regnet” auf die Oberfläche herab.
Noch haben die beiden Physiker nicht alle Fragen zur Natur ihrer “Gravastars” geklärt. Die Daten aus bisherigen Messungen angeblicher Schwarzer Löcher deckten sich jedoch durchaus mit ihrer Theorie, so die beiden Wissenschaftler.
ddp/bdw – Ulrich Dewald





