Diese Entwicklung verärgert manche Wissenschaftler, weil sie darin eine unnötige Behinderung der Forschung sehen. Denn Fakt ist: Selbst mit einem Quantencomputer, der über 50 oder gar 100 Qubits verfügt, lassen sich keinerlei Berechnungen durchführen, die nicht auf einem regulären Computer besser, billiger und einfacher möglich wären. Um an einen Punkt zu kommen, an dem Quantencomputer tatsächlich praktische Vorteile gegenüber herkömmlichen Rechnern haben, braucht es deutlich mehr Qbits – und noch viel Forschung. Man kann jedoch spekulieren, dass der Sinn der Exportbeschränkung darin besteht, die Verbreitung hochentwickelter Quantentechnologien in Länder außerhalb des NATO-Bündnisses zu verhindern. Immerhin bestünde sonst die Gefahr, dass die Technologien dort analysiert und weiterentwickelt würden, bis sie tatsächlich gewinnbringend einsetzbar sind – und das womöglich für böse Absichten.
Sicherheitsrelevante Anwendungen
Und ja, es gibt solche bösen Absichten. Das am meisten diskutierte Risiko durch Quantencomputer besteht darin, dass sie zum Knacken kryptografischer Protokolle verwendet werden, die seit Jahrzehnten zur Sicherung nationaler Geheimnisse im Einsatz sind. Verschlüsselte Daten, die von ausländischen Geheimdiensten über Jahre gesammelt wurden, sich aber bislang nicht entschlüsseln ließen, könnten dadurch plötzlich lesbar werden.
Allerdings ist das nicht der einzige Grund, weshalb sich die NATO Sorgen machen könnte: Eine andere potenzielle Anwendung von Quantencomputern, die größeres Interesse auf sich gezogen hat, ist beispielsweise die Berechnung der Eigenschaften von Molekülen, ohne diese synthetisieren zu müssen. Für die Material- oder Arzneimittelforschung könnte dies ebenso nützlich sein wie für die Entwicklung besserer chemischer oder biologischer Waffen. Verschiedene Technologien aus dem Bereich der Quantensensorik könnten es hierbei zudem einfacher machen, die Eigenschaften solcher Materialien und Stoffe zu messen.
Neben Quantencomputern und -sensoren gibt es aber auch noch ein paar andere Technologien in dem Bereich, die aus Sicht der NATO relevant sein dürften: etwa Quantenradare, bei denen die Genauigkeit der Radarortung durch die Nutzung verschränkter Photonen gesteigert wird. Dass Militärs sich Sorgen machen, wenn jemand anderes möglicherweise über ein besseres Radar verfügt, ist glaube ich naheliegend.
Eine andere Idee ist der sogenannte Quantenkompass. Hierbei handelt es sich letztlich um einen Sensor, der Beschleunigungen mit extrem hoher Präzision messen kann. Für die Navigation wäre ein solches Gerät äußerst nützlich, weil sich die eigene Position damit überall auf der Welt genau bestimmen lässt – ganz ohne GPS Satelliten. Denn wenn Sie ihren Startpunkt kennen und genau wissen, wie lange Sie von dort aus wie stark in welche Richtungen beschleunigt wurden, können Sie daraus berechnen, welchen Weg Sie zurückgelegt haben – und damit, wo sie sich befinden. Die Positions bestimmung mit einem Quantenkompass funktioniert also vollkommen autonom. Das ist ein großer Vorteil, etwa wenn Feinde versuchen, Ihre Systeme mit Störsendern zu manipulieren.





