Grund für mein Umdenken sind dabei jedoch weniger die herausragenden Stärken der Hybridfahrzeuge, sondern vielmehr die weiterhin bestehenden Probleme im Kontext der Elektromobilität: Wenn wir unseren kompletten Autoverkehr auf Elektromobilität umstellen wollen, erfordert dies einen erheblichen Ausbau der weltweiten Stromnetze. Die Kosten dafür sind enorm, und die Zeit drängt – etwa angesichts der Tatsache, dass bereits ab 2035 in der EU keine neuen Verbrennerfahrzeuge mehr zugelassen werden sollen.
Die Internationale Energieagentur, kurz IEA, warnt bereits seit einiger Zeit, dass die Modernisierung und Erweiterung des Stromnetzes einer der Hemmschuhe der Energiewende sei. Ihren Berechnungen zufolge müsste das Stromnetz in den nächsten zehn Jahren mindestens zwanzig Prozent schneller ausgebaut werden als im vorangegangenen Jahrzehnt, wenn eine Chance bestehen soll, die gesetzten Klimaziele noch zu erreichen. Die Europäische Kommission schätzt die dafür erforderlichen Investitionen in der EU auf 584 Milliarden Euro bis 2030, wobei das Geld größtenteils aus privaten Quellen kommen oder durch die Netzgebühren finanziert werden soll. Ich weiß ja nicht, wie Sie das sehen, aber für mich klingt das nicht nach einem sonderlich durchdachten und vertrauenserweckenden Plan.
Eine der zentralen Herausforderungen beim Netzausbau besteht darin, mehr Energie aus erneuerbaren Quellen ins Netz einzuspeisen. (Denn was bringt uns der Umstieg auf Elektroautos, wenn wir den Strom dafür weiterhin aus fossilen Energieträgern gewinnen?) Und es ist nicht so, dass es uns an Kraftwerken für erneuerbare Energie mangeln würde: Laut der IEA warten weltweit Projekte für erneuerbare Energie mit einer gemeinsamen Leistung von etwa 3.000 Gigawatt darauf, ans Netz angeschlossen zu werden – entweder weil es keine Stromleitungen gibt oder weil bestehende Netze die zusätzliche Kapazität nicht bewältigen können. Das entspricht ungefähr dem Dreifachen des Stroms, der von allen Kraftwerken in der EU erzeugt wird.
Es ist also praktisch klar, dass uns für einen vollständigen Umstieg auf Elektromobilität schlicht die Infrastruktur fehlt. Ein kürzlich erschienener Übersichtsartikel in der Fachzeitschrift Energies fasste die Probleme, die Elektrofahrzeuge durch die verstärkte Nutzung des Netzes letztlich verursachen werden folgendermaßen zusammen: Überlastungen der Transformatoren, Frequenzverzerrungen, Spannungsinstabilität und Netzüberlastung. Das sind ernsthafte Probleme, und wenn das dringend nötige Netz-Upgrade nicht schnell genug kommt – was der Fall sein wird –, werden Regierungen beispielsweise Regularien erlassen, wer wo und wie lange sein Elektroauto laden darf.
Geplante Obsoleszenz
Meine Interpretation der aktuellen Situation ist daher, dass Hybride der Weg der Verbraucher sind, mit der Unsicherheit rund um die Energiewende umzugehen. Wird es funktionieren oder nicht, werden sich die Richtlinien ändern oder nicht? So oder so, wer einen Hybrid kauft, wird wahrscheinlich für das nächste Jahrzehnt gut auf der sicheren Seite sein. Und dann ist wahrscheinlich sowieso ein neues Auto fällig. Geplante Obsoleszenz schien nie so nachhaltig zu sein.





