Am Äquator können sich auf Land nur dann Gletscher in niedrigen Höhen bilden, wenn vorher alle Weltmeere zugefroren sind. Dieses Ergebnis, das auf einer Tagung der American Geophysical Union vorgestellt wurde, hilft der Schneeball-Erde-Theorie aus ihren Schwierigkeiten.
Gemäß dieser These waren vor 600 Millionen Jahre alle Weltmeere vollständig mit Eis bedeckt. Diese Theorie ist umstritten, weil Klimamodelle große Probleme dabei haben, das Zustandekommen dieser vollständigen Vereisung zu erklären. David Pollard und James Kasting von der Penn State University konnten jetzt mit ihrem Klimamodell “Genesis” zeigen, dass am Äquator eine nachgewiesene Gletscherbildung an Land ohne das vollständige Zufrieren der Ozeane nicht möglich gewesen wäre.
Die beiden Forscher sahen sich zunächst einem scheinbar unlösbaren Paradoxon gegenüber: Damit es am Äquator so kalt werden konnte, dass dort Schnee liegen bleibt und mit den Jahren Gletscher bildet, müssen ? so zeigte es ihr Modell ? vorher alle Weltmeere zugefroren sein. Wenn aber alle Meere zugefroren sind, woher sollte dann die Atmosphäre genügend Feuchtigkeit beziehen, um Schneefall zu ermöglichen?
“In weiteren Simulationen konnten wir jedoch zeigen, dass zumindest in einigen Gegenden etwas mehr Schnee fiel als verdunstete”, erklärt Pollard. “Der Aufbau der Eisschilde muss Tausende von Jahren gedauert haben, aber da es einige Millionen Jahre dauerte, ehe die Erde wieder auftaute, war ja genügend Zeit vorhanden.”
Die Forscher hatten vorher vergeblich versucht, die Gletscherbildung in den Tropen unter der Bedingung zu simulieren, dass die Ozeane nur bis hinab zum 30. Breitengrad zugefroren waren. Zwar bildeten sich dann auf Bergen Gletscher. Aber die aus der Zeit vor 600 Millionen Jahren nachgewiesenen Gletscher befanden sich auf Meereshöhe. “Die tropischen Temperaturen waren immer noch zu warm und schmolzen das Eis, bevor es talwärts fließen konnte”, sagt Pollard.
Axel Tillemans





