Die biblische Sintflut könnte einen realen Hintergrund gehabt haben: Ein Methanausbruch aus dem sauerstoffarmen Schwarzen Meer habe die Katastrophe ausgelöst, behauptet ein amerikanischer Geologe im Fachblatt Geology (Bd. 31, S. 737).
Gregory Ryskin von der Northwestern University hat das Faulgas im Verdacht, die Erde schon häufig in biologische Krisen gestürzt zu haben. Methan bildet sich, wenn organisches Material unter Mangel an Sauerstoff zersetzt wird. An den Hängen der Kontinente sammelt es sich als eisförmiges Methanhydrat im Meeresboden, und in wenig belüfteten Meeresbecken wie dem Schwarzen Meer können ebenfalls größere Mengen akkumulieren.
Besonders verheerend könnten sich Methanausbrüche vor 250 Millionen Jahren ausgewirkt haben. Am Ende des Erdzeitalters Perm fand wahrscheinlich wenig Austausch zwischen den gut belüfteten oberen Wasserschichten der Meere und tieferen Schichten statt. In der Tiefe herrschte daher, anders als heute, Sauerstoffmangel. Durch den hohen Wasserdruck lösten sich gewaltige Methanmengen im Ozeanwasser.
Eine geringfügige Störung wie etwa ein kleiner Meteoriteneinschlag, so schreibt Ryskin, könnte ausgereicht haben, Tiefenwasser an die Oberfläche zu befördern, wo das Methan sofort hervorblubberte. Danach wäre die Umwälzung der Wassermassen nicht mehr zu stoppen gewesen: Das unterste, methanreiche Wasser wurde zuoberst gekehrt und gab das gefangene Gas in verheerenden Explosionen frei.
“Die Meere könnten problemlos so viel Methan angesammelt haben, wie es der Explosionskraft der 10.000-fachen Gewalt der gesamten auf der Erde vorhandenen Nuklearwaffen entspricht”, argumentiert Ryskin. “Das würde eine hohe Mortalität verursachen.” Tatsächlich starben am Ende des Perm Schätzungen zufolge 90 Prozent aller im Meer lebenden Arten und 70 Prozent der Landbewohner aus. Es war das größte Massensterben der Erdgeschichte.
Ute Kehse





