Bei Alzheimer sterben die Nervenzellen im Gehirn der Betroffenen nach und nach ab. Die Ursachen der Krankheit sind nach wie vor unklar. Untersuchungen zeigen, dass sich Plaques aus fehlgefalteten Beta-Amyloid-Proteinen zwischen den Nervenzellen ablagern. Zudem sind bei Alzheimer die Tau-Proteine im Inneren der Nervenzellen krankhaft verändert und lagern sich zu sogenannten Tau-Fibrillen zusammen. Beide Prozesse tragen zur Zerstörung der Nervenzellen bei. Während die Krankheit normalerweise erst in höherem Alter auftritt, entwickeln Menschen mit der sogenannten Paisa-Mutation schon im Alter von durchschnittlich 44 Jahren Symptome der Krankheit und versterben meist mit etwa 60 Jahren an den Folgen der Demenz.
Genetische Varianten gegen Alzheimer
Doch genetische Varianten können das Risiko für Alzheimer nicht nur erhöhen, sondern auch senken. Ein Team um Francisco Lopera von der Universität von Antioquia in Kolumbien hat nun den zweiten Menschen weltweit identifiziert, der trotz einer Veranlagung zu Alzheimer durch eine zusätzliche Mutation vor der Erkrankung geschützt war. „Die genetische Variante, die wir identifiziert haben, deutet auf einen Weg hin, der zu einer extremen Widerstandsfähigkeit und einem Schutz vor Alzheimer-Symptomen führen kann“, sagt Co-Autor Joseph Arboleda-Velasquez von der Harvard Medical School in Boston.
Bereits 2019 hatte sein Team über eine Trägerin der Paisa-Mutation berichtet, die trotz ihrer erblichen Veranlagung für Alzheimer bis zu ihrem 70. Lebensjahr symptomfrei blieb. Bei dieser Patientin hatten die Forschenden festgestellt, dass eine Mutation im Gen APOE3 für den Schutz verantwortlich war. Auf der Suche nach weiteren Einblicken in die Krankheitsentstehung von Alzheimer hat das Team rund 1200 Menschen mit der Paisa-Mutation untersucht – und nun tatsächlich einen weiteren Patienten identifiziert, der zusätzlich zu dieser schädlichen Mutation eine „Schutz-Mutation“ trug, die ihn über Jahrzehnte hinweg vor dem Ausbruch der Krankheit bewahrte.
Zweiter Patient weltweit
„Der Mann zeigte trotz der Paisa-Mutation bis zu einem Alter von 67 Jahren keine kognitiven Beeinträchtigungen“, berichten Lopera und sein Team. Erst mit 72 Jahren wurde bei ihm eine leichte Demenz diagnostiziert, mit 73 Jahren nahm er im Rahmen der Studie an einer neurologischen Untersuchung teil. Ein Jahr später verstarb er an einer Lungenentzündung und seine Angehörigen stimmten zu, sein Gehirn für die Forschung zu spenden. „Außergewöhnliche Fälle wie dieser veranschaulichen, wie Einzelpersonen und Großfamilien mit Alzheimer dazu beitragen können, unser Verständnis der Krankheit zu verbessern und neue Wege für die Forschung zu eröffnen“, sagt Loperas Kollege Yakeel Quiroz.





