Durchschnittlich einmal pro Erdenjahr stoßen im Universum zwei gigantische Galaxien aufeinander und vereinigen sich. Doch was passiert mit den Schwarzen Löchern, die wahrscheinlich im Mittelpunkt jedes dieser Sternensysteme lauern? Amerikanische und australische Astronomen haben nun aus Computer-Simulationen geschlossen, dass auch diese Zentren gewaltiger Gravitation miteinander verschmelzen. Ihr Modell präsentieren sie in einer Online-Veröffentlichung von Science-Express.
“Supermassive Schwarze Löcher könnten in erstaunlich vielen Galaxien kollidiert sein und dabei ein lesbares Muster hinterlassen haben”, sagen David Merritt von der Rutgers State University of New Jersey und Ron Ekers von der Australia Telescope National Facility in Sydney. Aus ihren Berechnungen erkannten sie, dass jeweils das größere Schwarze Loch das kleinere vereinnahmte. Doch durch den Zusammenstoß wird wahrscheinlich die Drehachse des größeren dieser “Himmelssauger”, die neben jedweder Materie sogar das Licht aus ihrer Umgebung verschlucken, verschoben. Ergebnis ist eine X-förmige Struktur aus den Sternenmassen der beiden Galaxien, die mit ungeheuere Wucht in das All geschleudert werden.
Eine Bestätigung ihres Modells meinen die Forscher in zahlreichen Beobachtungen kollidierender Galaxien zu finden. Rund sieben Prozent dieser Katastrophen im All, die sich Astronomen auf der Erde über Radiowellen offenbaren, zeigen dieses charakteristische X-Muster. Ein Beispiel dafür ist die Radio-Galaxie NGC326. “Wir kennen X-förmige Galaxien seit langer Zeit, hatten aber bisher nie eine befriedigende Erklärung für diese Struktur”, so Merritt.
Weitere Berechnungen von Merritt und Ekers haben ergeben, dass große Galaxien in der Gefahr schweben, etwa alle eine Milliarde Jahre mit einer Nachbargalaxie zu kollidieren. So sollten Astronomen die Chance haben, einmal pro Jahr ein solches Ereignis beobachten zu können.
Jan Oliver Löfken





