Auch die Überzeugung, dass eine Frau in der Zeit, in der sie ein Kind erwartet, nicht noch ein zweites Mal schwanger werden kann, ist nicht hundertprozentig richtig. Zwar sorgen normalerweise Hormone dafür, dass nach der Befruchtung bis zur Geburt des Babys kein weiterer Eisprung stattfindet. Aber eben nur normalerweise. Es ist tatsächlich schon mehrfach vorgekommen, dass eine werdende Mutter erneut schwanger geworden ist – etwa im Jahr 2001 bei einer Italienerin, 2009 bei einer US-Amerikanerin und im aktuellen Jahr 2021 bei einer Engländerin, die bereits mit Zwillingen schwanger war. Man nennt ein solches Ereignis Superfötation oder auf Deutsch Überbefruchtung. Während das bei verschiedenen Tieren, etwa bei Katzen und Feldhasen, häufiger vorkommt, ist es bei Menschen extrem selten.
Nicht verwechseln darf man die Superfötation mit der sogenannten Superfekundation, bei der in ein und demselben Zyklus nach der Befruchtung einer Eizelle einige Tage später eine weitere befruchtet wird. Das Ergebnis sind Zwillinge. In beiden Fällen – Superfötation und Superfekundation – ist es sogar möglich, dass die zwei im Mutterleib heranwachsenden Babys von verschiedenen Vätern stammen.
Im Übrigen kann auch eine Frau, bei der die gewohnte Menstruation ausbleibt, irrtümlich glauben, in anderen Umständen zu sein. Bei den sogenannten Schwangerschaftszeichen unterscheiden Mediziner zwischen sicheren und unsicheren. Sicher sind zum einen der Nachweis der kindlichen Herztöne, zum anderen die eindeutige Wahrnehmung von Kindsbewegungen sowie der röntgenologische Nachweis kindlicher Skelettteile in der Gebärmutter. Als unsichere Zeichen gelten dagegen die Vergrößerung von Gebärmutter oder Brust, morgendliche Übelkeit, die Zunahme des Leibesumfangs und eben auch das Ausbleiben der Menstruationsblutung. Denn das alles kann auch durch anatomische Unregelmäßigkeiten und vor allem durch hormonelle Veränderungen bedingt sein. Allenfalls Frauen, deren Periode über längere Zeit hinweg sehr regelmäßig ist, können beim Ausbleiben der Blutung mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sich in ihrer Gebärmutter ein befruchteter Keim eingenistet hat.





