Aber egal, ob wir diese mikroskopisch kleinen Lebewesen mögen oder nicht, es gibt sie und ohne ist unser Leben nicht nur leerer, sondern nicht vorstellbar. Allerdings hat sich im Laufe der Zeit unser Verhältnis zu ihnen verändert. In Industrieländern leben mittlerweile rund 90 Prozent der Menschen in sogenannten Built Environments. Das bedeutet zirka, wonach es klingt, nämlich dass heutzutage kaum noch jemand im Freien oder in Höhlen hauptgemeldet ist, sondern die meisten Menschen eben in gebauter Umgebung leben. Was bedeutet das in Bezug auf Mikroorganismen? Durch eine Vielzahl an Habitaten – von einfachen Gebäuden bis hin zu sterilen Reinräumen in hochtechnologischen Krankenhäusern – bieten sich Nischen für Mikroben. Das ergibt eine ganz andere Artenvielfalt als vor 1.000 Jahren: die sogenannten Microbiomes of the Built Environments.
Ist das gut oder schlecht? Na ja, beides. Häusliche Umgebungen wie Küche und Bad bieten zwar perfekte Umweltbedingungen, damit sich etwa neue Bakterien oder Pilze bei uns wohlfühlen, die wir auf Lebensmitteln oder auf unserem Körper selbst mitbringen. Aber weil wir diese Umgebungen selbst gebaut haben und über die wissenschaftlichen Methoden verfügen, um diese Mikroorganismen zu untersuchen, ist das Leben heute bei uns deutlich gesünder als vor 1.000 Jahren.
Trotzdem sollte man mit seinen Fingern nicht überall hinfassen. Spontan würden manche vermuten, am ärgsten sei die Keimbelastung am Klo, unter dem Rand der Schüssel. Wobei die Frage bliebe, warum man seine Finger dort hinführen sollte, wenn man nicht gerade beim Putzen ist. Vielleicht noch, um sich beim Erbrechen festzuhalten, damit einen der Rückstoß nicht gegen die Wand schleudert. Aber sonst?
Happy Hour in der Küche
Noch mehr Mikroorganismen als im Bad findet man aber tatsächlich in der Küche. Genauer gesagt, im Abfluss des Spülbeckens. Dort ist praktisch immer Happy Hour für Keime. Denn auch in diesen Abfluss wird sehr viel gegossen, was wir gern verschwinden lassen wollen.
Allerdings gibt es in unseren Küchen noch einen weiteren Ort, der fast als kleines Paradies für Bakterien bezeichnet werden kann: der Küchenschwamm. Anders als in der Zeichentrickserie „SpongeBob“ ist dieser in Wirklichkeit nicht der gut gelaunte Mitarbeiter des Monats im Restaurant Krosse Krabbe, sondern ein terroristischer Schläfer. Küchenschwämme bieten gerade für diese mikroskopisch kleinen Lebewesen eine optimale Umgebung, um sich in aller Ruhe fortzupflanzen: Es ist warm, feucht, es gibt jede Menge organisches Material, und oft genug fällt uns der Schwamm auch auf den Boden und wird trotzdem weiterverwendet. Und die porenreiche, wassersaugende und trotzdem gut belüftete Struktur stellt für die Besiedelung das ideale Medium dar. Ein Biofilm, also eine Schleimschicht gespickt mit Bakterienzellen, ist folglich vorprogrammiert. Mehr können sich Bakterien kaum wünschen.





