Dies ist Goschler gelungen. Seine Darstellung ist sinnvoll gegliedert, sein Duktus klar, nüchtern und frei von Jargon. Auf die Einleitung, der sehr lesenswerte Überlegungen zum nicht unproblematischen und daher immer wieder kritisierten Begriff der „Wiedergutmachung“ zu entnehmen sind, folgen sieben Hauptkapitel, deren wichtigste Ergebnisse jeweils in Zwischenbilanzen zusammengefaßt werden.
Zunächst beschreibt Goschler die Anfänge der Entschädigungsdiskussion, die er bereits im Jahr 1936 verortet. Daran schließen sich chronologisch vier Kapitel an: über die Wiedergutmachungsdiskussion und -leistungen der Alliierten und die der Bundesregierung, letztere mit den Zäsuren 1957, 1965 und 1990. Ein vergleichsweise kurzes Kapitel behandelt die Wiedergutmachung in der DDR. Das letzte Hauptkapitel beschäftigt sich mit den Entwicklungen der jüngsten Zeit und endet mit der Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter, die heute im wesentlichen abgeschlossen ist.
In seiner Darstellung hat Goschler lediglich einen Bereich ganz ausgeklammert, der gleichwohl nicht wenige Leser interessieren dürfte: Weder erfährt man auch nur in ganz ungefähren Größenordnungen, wie viele Menschen Wiedergutmachungsleistungen erhalten haben, noch, wieviel diese insgesamt gekostet haben und in welchem Verhältnis das zur wirtschaftlichen Leistungskraft der Bundesrepublik stand. Zwar sind am Ende des Buches die staatlichen Wiedergutmachungsleistungen der Bundesrepublik aufgeführt, doch sind darin DM-Werte für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts trotz des gewaltigen Kaufkraftverlustes eins zu eins zusammengefaßt. Doch dies ist nur ein Detail. Insgesamt hat Goschler eine hervorragende Überblicksdarstellung dieser komplexen Thematik vorgelegt.
Rezension: Spoerer, Mark




