Wegen seiner scharfen Kritik an Absolutismus und religiöser Intoleranz und seines entschiedenen Verlangens nach allgemeinen Freiheitsrechten wurde Schubart 1777 von Herzog Karl Eugen von Württemberg ohne Anklage und Urteil zehn Jahre lang auf dem Hohenasperg gefangengehalten. Auch nach seiner Entlassung im Jahr 1787 war die aufklärerische Grundhaltung des nun zum Stuttgarter Musik- und Theaterdirektor ernannten Schubart nicht gebrochen. Er begrüßte die Französische Revolution, agierte aber bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1791 deutlich vorsichtiger.
Der Tübinger Kulturwissenschaftler Bernd Jürgen Warneken beschreibt höchst anschaulich und quellennah die einzelnen Stationen im Leben dieses schwäbischen Pfarrerssohns, von der Kindheit in Aalen über die Tätigkeit als Lehrer, begabter Musiker und Journalist bis hin zu dem von der Haft geprägten letzten Lebensabschnitt, und er ordnet die Biographie überzeugend in die neuere Aufklärungs- und Bürgertumsforschung ein.
Warneken warnt zu Recht vor voreiligen Vereinnahmungen Schubarts, wie sie von Vormärz-Demokraten, völkischen Kreisen, der DDR oder den Achtundsechzigern vorgenommen worden sind, indem er auf die Ambivalenzen in Schubarts Leben und Wirken verweist. Neben dem Freiheitspathos stand Schubarts Lob von Monarchen wie Friedrich II. von Preußen. Die Forderungen nach Emanzipation der Juden, Aufhebung der Sklaverei und besserem Verständnis anderer Kulturen schlossen bei Schubart das Lob „altdeutscher Tugenden“ und Führungsansprüche der deutschen Nation nicht aus.
Warneken, der den für bürgerliche Freiheiten streitenden, dem Habitus der neuen Bürgerlichkeit aber selbst wenig entsprechenden Schubart als einen „unbürgerlichen“ Bürger präsentiert, eröffnet mit diesem flüssig geschriebenen Buch neue und differenzierte Einblicke in die deutsche Aufklärungsbewegung.
Rezension: Hahn, Hans-Werner




