Amerikanische Astronomen haben mit dem Hubble-Weltraumteleskop möglicherweise erstmals einen Planeten bei anderen Sternen fotografiert. Der Planet ist 450 Lichtjahre entfernt im Sternbild Stier. Alle früheren Entdeckungen fremder Planeten basierten auf winzigen Positionsveränderungen ihrer Sterne.
Das Kunststück gelang Susan Terebey und ihren Kollegen von der Extraterrestrial Research Corporation und dem Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena. Die Astronomen beobachteten einen jungen Doppelstern in der Stern-entstehungsregion TMR (Taurus Molekülring). Am Ende einer langen Leuchtspur entdeckten sie ein lichtschwaches Objekt, das sie TMR-1C tauften.
Die Leuchtspur ist über 200 Milliarden Kilometer lang – das entspricht dem 1400fachen Abstand der Erde von der Sonne. Die Wissenschaftler interpretieren die Spur als einen von Licht durchfluteten Tunnel. Er könnte von TMR-1C durch die Gas- und Staubwolke “gebohrt” worden sein, die den Doppelstern umgibt. TMR-1C scheint von seinen Heimatsternen ins All katapultiert worden zu sein und rast nun mit zehn Kilometern pro Sekunde davon.
Bei einem mutmaßlichen Alter von 300000 Jahren muß TMR-1C ein Planet von der zwei- bis dreifachen Masse Jupiters sein. “Das könnte die wichtigste Entdeckung in der achtjährigen Geschichte des Weltraumteleskops sein”, kommentiert Ed Weiler, Direktor am Hauptquartier der NASA in Washington, D. C. “Weitere Beobachtungen müssen zeigen, ob es sich wirklich um einen Planeten oder aber um einen Braunen Zwerg handelt.” Braune Zwerge sind verhinderte Sterne, deren Masse für Kernverschmelzungsprozesse in ihrem Inneren nicht ausreicht.
“Wenn unsere Interpretation stimmt, dann bilden sich Gasplaneten viel einfacher und schneller, als bislang gedacht”, sagt Susan Terebey.
Rüdiger Vaas





