Mitfühlende Ehepartner verschlimmern ungewollt chronische Schmerzen ihrer Lebensgefährten. Das haben Wissenschaftler um Herta Flor vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim herausgefunden. Die Forscher berichten, dass Patienten mit chronischen Rückenschmerzen heftiger auf kleine elektrische Stromstöße reagierten, wenn ihre Ehepartner bei den Versuchen anwesend waren. Im EEG zeigte sich, dass dabei die Hirnregion anterior cingulate cortex besonders aktiv war. In diesem Teil des Gehirns wird der Schmerz verarbeitet. Die starke Aktivität sei aber nicht dadurch zu erklären, dass die Patienten mit der Fürsorge und dem Mitleid ihrer Partner rechneten, betont die Forscherin. Das Phänomen bezeichnet Flor vielmehr als positive Rückkopplung. Die Gehirne der umsorgten Patienten hätten nämlich gelernt, dass die Ehepartner umso aufmerksamer seien, je deutlicher die Patienten ihnen gegenüber ihren Schmerz ausdrückten. Als Folge würden sie die Schmerzen weitaus qualvoller empfinden als andere Patienten, deren Partner sich überhaupt nicht oder weniger um die Pein ihrer Lebensgefährten kümmern. Möglichweise führen diese Ergebnisse zu neuen Therapieformen. Die Wissenschaftler untersuchen jetzt, ob man durch gezielte Rückkopplung das Gehirn darauf konditionieren kann, das Schmerzempfinden zu dämpfen.
Hans Groth





