In der Zeit um 200 blühte die Kultur in den römischen Grenzprovinzen. Kaiser Septimius Severus (193–211), dessen Herrschaft sich besonders auf das Militär stützte, hatte mit freigiebigen Solderhöhungen bewirkt, daß die Kaufkraft im Umfeld der Garnisonen an Rhein, Limes und Donau noch einmal kräftig stieg. Doch sollte dieser Blüte ein jäher Absturz folgen: Nach den Markomannenkriegen unter Kaiser Marc Aurel (161–180) erstarkten die Gegner Roms im germanischen Barbaricum jenseits der Reichsgrenzen. Es kam zu ganz neuen Koalitionen, die dann im 3. Jahrhundert zur Bildung von Großstämmen mit ungeahnter Kampfkraft führten: den Franken und Sachsen im Norden, den Alamannen und Juthungen im Süden. Zur gleichen Zeit geriet das römische Reich in der Zeit nach den Severern in gefährliche Wirren. Das Zeitalter der Soldatenkaiser brach an. In immer schnellerer Folge riefen römische Armeen ihre Kommandeure zu Gegenkaisern aus, oft mehrere auf einmal, natürlich aus nicht ganz uneigennützigen Gründen. Mit dieser Entwicklung gingen finanzielle Krisen, eine galoppierende Inflation, soziale Spannungen und Seuchenepidemien einher – das Reich stand mehrfach am Rande des Abgrunds!
In dieser Phase zunehmender Schwächung der Grenztruppen brach der Limes um 260 endgültig zusammen, zumal dieses Gebiet jetzt auch noch zur Front des Bürgerkriegs geworden war. Ob von einer Bürgerkriegspartei gerufen oder auf eigene Faust handelnd – Alamannen und Juthungen strömten nun in die Gebiete rechts des Rheins und nördlich der Donau und entrissen sie Rom für immer. Dennoch gingen die inneren Auseinandersetzungen in den Grenzprovinzen weiter!
Nicht nur im Limesgebiet häuften sich die Zeugnisse der Katastrophe. Auch in Gallien und den germanischen Provinzen links des Rheins wurden neben verstecktem Hausrat eine große Anzahl von Münzhorten gefunden – Zeugnisse der katastrophalen Verhältnisse im letzten Drittel des 3. Jahrhunderts.
Der Verlust des rechtsrheinischen Limesgebietes hatte Rom wie in der frühen Kaiserzeit auf die Rhein-, Bodensee- und Donaugrenze zurückgeworfen. Erst unter Probus (276 –282) gelang es bis 281, diese Grenzen zu stabilisieren. Ein tragfähiger Neuanfang erfolgte aber erst mit der Einführung umfassender Reformen in der Spätantike. Diese Reformen, die man mit den Namen der Kaiser Diokletian (284–305) und Konstantin I. (306–337) verbindet, gaben dem Imperium Romanum nach der Katastrophe des 3. Jahrhunderts noch einmal eine Chance zu überleben, dem Westreich immerhin noch fast 200 Jahre, dem Ostreich, dem späteren byzantinischen Reich, eine weitaus längere Zeitspanne, letztlich bis in das Spätmittelalter hinein.
Die Reformen beruhten auf Normierung und Kontrolle aller Lebensbereiche bei gleichzeitiger Stärkung der Zentralgewalten und der Bürokratie. Die seit Roms Anfängen charakteristische Einheit ziviler und militärischer Gewalt wurde jetzt mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Administrationen aufgelöst, die beiden Bereiche strikt getrennt. Die Verwaltungseinheiten wurden verkleinert und streng hierarchisch durchorganisiert.




