Zugvögel, die Europa im Herbst verlassen und im tropischen Afrika überwintern, sind durch die globale Klimaveränderung bedroht. Wissenschaftlerinnen der Universität Mainz haben festgestellt, dass wegen der wärmeren Winter gerade die Zahl der so genannten Langstreckenzieher – wie Rauchschwalbe, Gartenrotschwanz oder Wendehals – in der Bodenseeregion drastisch zurückgegangen ist. Gleichzeitig nahm die Zahl der Standvögel zu. Die Biologinnen Nicole Lemoine und Katrin Böhning-Gaese erklären den Rückgang der Langstreckenzieher mit einem knapperen Futterangebot. Standvögel müssen mit den härteren Bedingungen im Winter auskommen. Normalerweise stirbt dabei die Hälfte bis drei Viertel ihrer Population. Im Frühjahr finden daher die zurückkehrenden Zugvögel ausreichend Nahrung. Durch wärmere Winter überleben inzwischen mehr Standvögel. Für die spät eintreffenden Langstreckenzieher steht dann entsprechend weniger Futter zur Verfügung. Die Forscherinnen hatten Klimadaten und Vogelzählungen zwischen 1979 und 1981 sowie zwischen 1989 und 1992 analysiert. Dabei stellten sie für den jeweils kältesten Wintermonat einen Temperaturanstieg von 2,4 Grad fest, den sie als Ursache für den Schwund der Langstreckenzieher deuten.
Hans Groth





