Fakt ist: Der Einfluss des Mondes auf uns Menschen ist in zahlreichen Studien untersucht worden, ohne dass man zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen wäre. Verwunderlich ist das nicht. Schließlich ist es fast unmöglich, eine größere Anzahl unterschiedlicher Testpersonen über eine Dauer von etlichen Monaten und damit über mehrere Mondphasen hinweg zu beobachten – und dazu noch vor jeder Messnacht bei jedem einzelnen Teilnehmer schlafstörende Einflüsse wie Alkohol, Stresslevel, psychische Belastungen, Medikamente sowie schon länger bestehende Schlafprobleme zu erheben und aus den Ergebnissen herauszurechnen.
Umfragen haben überdies ergeben, dass gar nicht so wenige Menschen fest daran glauben, der Mond habe auf das tägliche Dasein generell erhebliche Auswirkungen. So soll er beispielsweise maßgeblich die Getreideernte, das Wachstum der Haare und die Geburtenrate beeinflussen. Doch nichts davon wurde jemals bewiesen. Es scheint sich also um rein subjektive Überzeugungen zu handeln. Dasselbe gilt für die immer wieder postulierte Häufung von Unfällen und sogar Verbrechen in Vollmondnächten: allesamt Korrelationen, die einer statistischen Überprüfung nicht standhalten. Vielmehr scheint es so zu sein, dass man dem Vollmond kurzerhand eine ursächliche Beteiligung zuschreibt, sobald in seiner Gegenwart etwas Schlimmes, etwa ein Autounfall, passiert. Geschieht der gleiche Unfall in einer anderen Mondphase, hat der Mond eben nichts damit zu tun. Jedenfalls gehen in den hellen Nächten bei der Polizei nicht mehr Notrufe ein als sonst. Weder werden mehr Kinder geboren, noch gibt es mehr neue Krankheitsfälle.
Was den Schlaf betrifft, ist es möglicherweise das Licht, das empfindliche Naturen bei ihrer Nachtruhe stört. Immerhin ist es bei Vollmond im Freien mehr als zehn Mal so hell wie bei Halbmond. Andere Theorien gehen von einem Einfluss des Mondes auf unsere innere Uhr und speziell auf die Produktion des Schlafhormons Melatonin aus, wieder andere diskutieren eine Beeinflussung des Erdmagnetfeldes. Doch für keine einzige dieser Hypothesen gibt es bislang einen stichhaltigen Beweis. Deshalb neigt die Mehrzahl der Forscher zu der Ansicht, eine Beeinflussung des Schlafes durch den Mond gebe es schlichtweg nicht.
Einige Wissenschaftler weisen sogar darauf hin, dass gestörter Schlummer sich regelrecht erlernen lässt. Wer bei Vollmond zwei oder drei Mal schlecht geschlafen habe, warte möglicherweise beim nächsten unbewusst darauf, dass es ihm wieder so ergehe. Und dann passiere eben genau das. In der Psychologie nennt man so etwas eine „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ (self-fulfilling-prophecy). Die hat aber grundsätzlich nichts mit dem Mond zu tun, sondern vor allem mit tiefsitzenden unbewussten Erwartungen. Oder anders gesagt: Der Vollmond scheint die Nachtruhe eines Menschen umso eher zu beeinträchtigen, je mehr dieser an seine schlafstörende Magie glaubt.





