Bei Menschen, die unter obstruktiver Schlafapnoe leiden, erschlafft im Schlaf immer wieder die Muskulatur der oberen Atemwege. Das führt zu lautem Schnarchen sowie zu Atemaussetzern, die länger als zehn Sekunden anhalten können. Als Reaktion auf die unterbrochene Sauerstoffversorgung leitet der Körper eine Aufwachreaktion ein, verbunden mit schnellerem Herzschlag und steigendem Blutdruck. Für viele Betroffene sind die Nächte dadurch wenig erholsam, sodass sie sich tagsüber oft müde fühlen. Zudem ist Schlafapnoe mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Studien zufolge erhöht sie das Risiko für Herzversagen um 140 Prozent, das Schlaganfallrisiko um 60 Prozent und das Herzinfarktrisiko um 30 Prozent.
Um die Atemaussetzer und die damit verbundenen negativen Folgen zu vermeiden, müssen viele Patienten nachts eine sogenannte CPAP-Maske (Continuous Positive Airway Pressure) tragen. Diese versorgt sie kontinuierlich mit Luft und hält durch leichten Überdruck die Atemwege offen. Inwieweit diese Behandlung allerdings tatsächlich das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verringert, ist noch nicht vollständig geklärt. Während einige Studien klare Vorteile ergeben haben, zeigte sich in anderen keine signifikante Risikoreduktion.
Hilfreich für die einen, schädlich für die anderen?
Ein Team um Ali Azarbarzin vom Brigham and Women’s Hospital in Boston hat nun in einer Meta-Studie die Ergebnisse von drei randomisierten Studien mit insgesamt 3549 Schlafapnoe-Patienten zusammengefasst und ausgewertet. Alle einbezogenen Patienten litten zusätzlich zur Schlafapnoe bereits unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und verkalkten Arterien. Für die Studien wurde die Hälfte von ihnen mit CPAP behandelt. In der dreijährigen Beobachtungszeit wurden alle Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-bedingten Todesfälle erfasst. Die ursprünglichen Auswertungen der einzelnen Studien hatten keine signifikanten Unterschiede zwischen Patienten mit und ohne CPAP gezeigt.
Als Azarbarzin und seine Kollegen die Daten jedoch nach bestimmten Patientengruppen aufgeschlüsselt analysierten, stießen sie auf deutliche Unterschiede: Bei sogenannten Hochrisiko-Patienten, bei denen die nächtlichen Atemaussetzer zu einem starken Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut führen oder einen starken Anstieg der Herzfrequenz verursachen, senkte CPAP das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Todesfälle um 17 Prozent. Bei Patienten, deren Schlafapnoe einen geringeren Einfluss auf Blutsauerstoff und Herzfrequenz hatte, zeigte sich hingegen ein umgekehrter Effekt: In der mit CPAP behandelten Gruppe kamen 22 Prozent mehr schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse vor als in der Kontrollgruppe. Betrachteten die Forschenden nur die Patienten, die angaben, sich tagsüber nicht müde zu fühlen, waren die Ergebnisse sogar noch deutlicher. Bei nicht-schläfrigen Hochrisiko-Patienten senkte CPAP das kardiovaskuläre Risiko um 24 Prozent, während es bei den anderen Patienten das kardiovaskuläre Risiko um 30 Prozent erhöhte.





