von TIM SCHRÖDER
Schlafen ist lebensgefährlich. Denn wer schläft, kann nicht vor Feinden flüchten. Und doch ist Schlaf offenbar so wichtig, dass er sich früh in der Entwicklungsgeschichte etabliert hat, denn so gut wie alle Tiere schlafen, selbst Quallen und Würmer. Auch Insekten schlafen. Bienen sacken im Schlaf in sich zusammen. Sie schlafen so tief, dass man sie noch nicht einmal durch leichtes Klopfen gegen die Waben wecken kann.
Zwar gibt es bis heute keine universelle Antwort auf die Frage, warum wir eigentlich schlafen. Doch haben Biologen und Neurowissenschaftler in den vergangenen Jahrzehnten viele Indizien zusammengetragen, die zeigen, dass Schlaf essenziell wichtig ist. Er beeinflusst unser Hungergefühl, unsere Emotionen, unsere Stresstoleranz, unser Gedächtnis und trägt dazu bei, dass wir gesund bleiben. Klar ist inzwischen, dass während des Schlafens die DNA in den Körperzellen repariert wird und dass Giftstoffe aus dem Gehirn abtransportiert werden. Es gibt sogar ein Detektor-Molekül, das DNA-Schäden aufspüren kann – und dem Körper signalisiert, dass es Zeit zum Einschlafen und für die Reparatur der DNA ist. Doch das ist nur ein kleiner Teil dessen, was im Körper passiert, wenn wir schlafen.
Wenn Bienen schlafen
Die Neurobiologin Hanna Zwaka erforscht den Schlaf seit vielen Jahren an Bienen und kleinen Zebrafischen. Sie beobachtet das Verhalten der Tiere und schaut ihnen dazu in den Kopf. Sie konnte inzwischen zeigen, dass Bienen besser lernen, wenn sie gut schlafen. Umgibt man Bienen während des Tages mit einem Duft und kredenzt ihnen gleichzeitig eine Zuckerlösung, lernen sie sehr schnell, dass beides zusammengehört. Setzt man die trainierten Bienen später dem Duft aus, ohne sie zu füttern, fahren sie ihren Rüssel aus – in der Erwartung, dass es gleich Zucker geben wird. Zwaka hat herausgefunden, dass die Bienen Duft und Futter besser miteinander in Zusammenhang bringen, wenn sie nach dem Lernen tief schlafen – vor allem dann, wenn man ihnen ein Schlafmittel verabreicht. Weckt man sie allerdings mehrfach auf, ist der Lernerfolg geringer. Wenn man den Bienen hingegen einen aus der Lernsituation bekannten Duft im Schlaf präsentiert, erinnern diese sich am nächsten Morgen noch besser an die Duft-Belohnungs-Verknüpfung. Die Idee dahinter: Der Duft in der Nacht ruft die Lernsituation erneut auf und verfestigt somit das Gelernte noch besser.
Ähnliches haben andere Forschungsgruppen bei Experimenten an Menschen beobachtet. Während eines Memory-Spiels wurde im Versuchsraum ein Duftstoff freigesetzt. Nachts, während die Probanden schliefen, tat man im Schlafzimmer dasselbe. Am nächsten Tag konnten sich die Probanden besser an die Lage der Memory-Plättchen erinnern als Vergleichspersonen ohne Duftumgebung. „Dinge, die Tiere und Menschen während des Tages lernen, werden während des Schlafens also verfestigt“, sagt Zwaka, die am Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg forscht. „Das Erlernte wird dabei mehrfach wiederholt. Die entsprechenden Nervenverbindungen werden dadurch gestärkt.“





