Im Mittelpunkt ihrer Reisen stand Norwegen und insbesondere das Handelszentrum Trondheim. Für Bischoff ging es sogar noch weiter, bis zur russischen Fischerhalbinsel jenseits des Nordkaps in der Barentsee. Der Seeweg in diese Gegenden war durch gefährliche Strömungen und der Gefahr, an den klippenreichen Küsten Schiffbruch zu erleiden, besonders riskant. Beide Autoren thematisieren in ihren Beschreibungen vor allem diese Gefahren. Bischoff erlebte den Schiffbruch so traumatisch, dass er ihn nicht nur in einem Gesamtverzeichnis seiner in 20 Jahren unternommenen Handelsreisen, sondern auch zusätzlich in einer gesonderten Aufzeichnung festhielt. Ebenfalls berichtet er von einem gewaltigen Sturm, den er 1688 erlebte: Auf dem Schiff ging der Proviant aus, die Mannschaft fürchtete zu verdursten. Als ein Mann starb, blieb seine Leiche in der Hoffnung auf eine christliche Bestattung noch zwei Wochen an Bord, bevor sie doch dem Meer übergeben werden musste. Neben all den Gefahren berichtet Bischoff aber auch über die Solidarität, die ihm auf seinen Reisen zuteil wurde, zum Beispiel, als ihm schottische Kapitäne nach dem Schiffbruch ihre Hilfe anboten.
Otto Ulbricht, emeritierter Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit, hat die drei Selbstzeugnisse zusammen mit Carl Petersen ediert. In einer ausführlichen Einleitung wirft der Herausgeber zudem einen Blick auf die Seehandelsstadt Flensburg sowie auf die Biographie beider Autoren und liefert eine Interpretation der Quellen. Die Ergebnisse seiner Studie sind vielfältig. Er analysiert die Selbstzeugnisse als Teil der Flensburger Erinnerungskultur und geht den Intentionen ihrer Verfasser sowie ihrer Selbststilisierung nach. Darüber hinaus zeigt er auch, dass die Kombination der drei Quellen zu weiteren Überlegungen einlädt.
Die Edition eröffnet mit aufschlussreichen Erläuterungen Zugang zu drei bisher nicht veröffentlichten Selbstzeugnissen. Sie bietet dem Leser Einblicke in das Leben und Denken zweier Kaufleute, die im 17. und 18. Jahrhundert Seehandel betrieben und das in einem Raum, der in der Forschung noch wenig Beachtung gefunden hat. Die vereinzelt eingestreuten Abbildungen aus den edierten Quellen und historischen Karten vermitteln dem Leser darüber hinaus auch bildliche Eindrücke.
Rezension: Anna Joisten




