Und doch war es kein Zufall, dass wir uns gleich in der ersten Kolumne der Entstehung von Leben gewidmet haben, wo es entstanden sein könnte und welche Voraussetzungen es dafür braucht. Wir suchen ja nicht ohne Grund seit Jahrzehnten auf unserem Nachbarplaneten nach Wasser: Ein Großteil der chemischen Prozesse in unserem Körper braucht Wasser als Lösungsmittel, ohne Wasser verdursten wir ziemlich schnell und die ersten neun Monate unseres Lebens verbringen wir ausschließlich in Wasser – angenehm geheizt auf rund 37 Grad Celsius.
Wenn wir dann auf die Welt kommen, ist es sofort viel ungemütlicher und wir verlernen fast alles von dem, was es uns zuvor ermöglicht hat, so lange unter Wasser zu leben. Aber eben nur fast. Manches beherrschen wir weiterhin: Mit geöffneten Augen unter Wasser schwimmen oder ins Wasser pinkeln können nicht nur alle Menschen weiterhin ganz ausgezeichnet, sondern viele hören bis an ihr Lebensende nicht damit auf – was nicht nur Vorteile bringt. In Hallenbädern beispielsweise: Was wir da riechen, wenn es „nach Chlor riecht“, ist nämlich nicht wirklich Chlor. Das riecht anders – und in Wasser verdünnt eigentlich fast gar nicht. Vielmehr riechen wir uns selbst beziehungsweise das, was entsteht, wenn wir nicht nur uns selbst ins Badewasser mitgebracht haben, sondern auch alle unsere kleinen „Mitbewohner“. Schließlich sind wir nicht allein, sondern wir bestehen innen und außen aus jeder Menge Keimen. Als Darmbakterien helfen sie uns beispielsweise bei der Verdauung. Das ist gut, denn so verhungern wir nicht. Andere Bakterien sind aber auch auf der Haut zu finden – und sorgen beispielsweise unter den Achseln für Schweißgeruch, indem sie zum Beispiel den im Schweiß enthaltenen Harnstoff zersetzen. Darauf könnten wir leicht verzichten. Dieser Harnstoff sorgt letztlich dafür, dass der typische Schwimmbadgeruch entsteht. Denn der Harnstoff reagiert mit dem Chlor im Wasser und bildet unter anderem den Stoff Trichloramin, der „nach Chlor riecht“.
Pures Chlorgas ist giftig und sollte daher gemieden werden. In geringen Mengen dem Wasser zugesetzt oder in bestimmten chemischen Verbindungen ist Chlor dagegen ungiftig. Sonst wäre würzen mit Natriumchlorid eine hochriskante Angelegenheit. Und Salz neben Pfeffer auf dem Tisch im Restaurant anzubieten, käme einem versuchten Mordanschlag gleich.
Im Schwimmbad verwendet man zum Bekämpfen dieser Keime molekulares Chlor (Cl2) oder eine Bleichlauge, die auch „liquid Chlorine“ genannt wird, also „flüssiges Chlor“. In beiden Fällen zerstört das Chlor den Ammoniak und seine Verbindungen, die im Wasser vorhanden sind, wenn mehr oder weniger Harnstoff den Weg ins Schwimmbecken gefunden hat. „Mehr oder weniger Harnstoff“ ist allerdings eine sehr freundliche akademische Formulierung. „Weniger“ bedeutet nämlich, dass die Menschen vor dem Schwimmen nicht duschen und „mehr“, dass sie Wassersport zu wörtlich nehmen.





