von SUSANNE DONNER
Für jeden Fleck das perfekte Mittel, verspricht die Industrie und lässt die Drogerieregale überquellen: Kraftschaum gegen Eingebranntes, Spezialprodukte fürs Parkett, Glasreiniger für die Fenster und Tiefenreiniger fürs WC. Rund 1,5 Millionen Tonnen Wasch- und Reinigungsmittel werden jährlich in Deutschland gekauft. Was vielen nicht klar ist: Ein Teil der Substanzen aus diesen Produkten gelangt in die Luft ihrer Innenräume und über die Atemwege in ihre Körper.
Forschende aus den USA analysierten, dass nach dem Wischen eines Raums mit wohlriechenden Reinigungsmitteln genauso viele schädliche Aerosole – unsichtbare Fremdstoffteilchen – in der Luft liegen wie an einer viel befahrenen Straße im Stadtverkehr. Unter den nach dem Putzen zurückbleibenden Aerosolen seien etwa freie Radikale, die bei direktem Kontakt das menschliche Gewebe schädigen.
Besonders bedenklich seien Produkte, die „natürlich“ nach Zitrusfrüchten oder Pinie riechen. Derartige Reiniger enthalten häufig Monoterpene, welche die Hauptbestandteile ätherischer Öle bilden. Zu den bekanntesten gehören Limonene, Alpha- und Beta-Pinen sowie Campher. Bei diesen Substanzen handelt es sich um flüchtige organische Verbindungen (englisch VOC für Volatile Organic Compounds). Auf Grundlage ihrer Raumluftanalyse errechneten die Forscher, dass eine Person, die einen derartigen Reiniger nutzt, zu Beginn des Wischens etwa 30 bis 40 Mikrogramm primärer flüchtiger organischer Verbindungen pro Minute einatmet. Hinzu kämen dann 0,1 bis 0,7 Mikrogramm sekundärer organischer Aerosole, die durch die Reaktion des Produkts mit Substanzen der Raumluft entstehen. Massemäßig sei das nicht viel, doch viele der entstandenen Partikel im Nanogrößen-Bereich könnten in tiefste Regionen der Lunge vordringen.
Forscher testeten 2023 in einer anderen Studie insgesamt 30 Reinigungsprodukte und Lufterfrischer in einer Luftkammer auf Anzahl, Konzentrationen und Emissionsfaktoren von VOCs. Von 530 eindeutig identifizierten VOCs waren 193 entweder gemäß der Liste des kalifornischen Department of Toxic Substances Control oder dem Einstufungs- und Kennzeichnungsverzeichnis der Europäischen Chemikalienagentur als gefährlich klassifiziert.
Was die Schadstoffe bewirken, zeigt etwa eine Langzeitstudie mit Daten von über 6.000 Probanden. Danach haben Personen, die zu Hause putzen oder als Reinigungskraft tätig sind, tendenziell eine schlechtere Lungenfunktion als Menschen, die nicht putzen. Gemessen wird bei einem solchen Test unter anderem, wie viel Luft die Person maximal ein- und ausatmen und wie viel Atem sie je Sekunde ausstoßen kann.
Die Geschädigten sind vor allem Frauen, wie eine im Herbst 2024 veröffentlichte Studie des Marktforschungsunternehmens YouGov Schweiz deutlich machte. Egal, ob in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien oder Frankreich, 91 Prozent der befragten Frauen gaben an, dass sie im Haushalt putzen, bei den Männern waren es 68 Prozent.





