Präparate wie “Wegovy” und “Ozempic”, aber auch “Mounjaro” haben sich als wirksame Abnehmhelfer für Adipositas-Patienten erwiesen. Sie beruhen auf sogenannten GLP1-Rezeptor-Agonisten, die ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt wurden. Diese Wirkstoffe, darunter Semaglutid und Liraglutid, binden an sogenannte GLP1-Rezeptoren im Körper und Gehirn und verstärken damit ebenso wie das körpereigene Hormon GLP1 die Ausschüttung von Insulin. Zusätzlich zügeln sie den Appetit und können übergewichtigen Menschen dabei helfen, ihr Gewicht zu reduzieren. Zugelassen sind sie daher inzwischen auch zur Behandlung von Adipositas. Wie genau sie dazu beitragen, das Hungergefühl zu verringern, war allerdings bislang unklar.
Das Auge isst mit
Ein Team um Kyu Sik Kim von der Nationalen Universität Seoul in Südkorea hat nun untersucht, wie sich die GLP1-Rezeptor-Agonisten auf das Essverhalten von Menschen und Mäusen auswirken und was dabei im Gehirn passiert. „Für einen der Versuche verabreichten wir fettleibigen Personen GLP1-Rezeptor-Agonisten und befragten sie zu ihrem Sättigungsgefühl“, berichtet das Team. Dabei servierten die Forschenden ihren Testpersonen ein leckeres gebratenes Hähnchen und baten sie zu verschiedenen Zeitpunkten anzugeben, wie satt sie sich fühlten: zu Beginn des Versuchs, beim Anblick des Hähnchens vor dem ersten Probieren, während des Essens und nach dem Essen.
Das Ergebnis: Im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe verspürten die behandelten Personen in allen Phasen weniger Appetit. Besonders auffällig war der Unterschied beim Anblick des Essens: Während die Kontrollpersonen angesichts des duftenden Hähnchens mehr Hunger verspürten als zuvor, berichteten die Personen aus der Behandlungsgruppe, dass sie sich allein vom Anschauen des Essens bereits gesättigt fühlten. Auch während und nach dem Essen gaben diese Probanden ein erhöhtes Sättigungsgefühl an und aßen entsprechend weniger.
Neuronale Schaltkreise für das Sättigungsgefühl
Anhand von Gehirnuntersuchungen bei Menschen und Mäusen identifizierten die Forschenden die verantwortliche Hirnregion. Demnach sorgen bestimmte Nervenzellen im Hypothalamus für das Sättigungsgefühl. Diese Nervenzellen sind mit GLP1-Rezeptoren ausgestattet und reagieren dadurch unmittelbar auf das Sättigungshormon und seine medikamentösen Analoga. „Unsere Arbeit enthüllte zwei unterschiedliche Populationen von Neuronen mit GLP1-Rezeptoren im Hypothalamus“, berichtet das Team. Eine Art von Neuronen ist den Ergebnissen zufolge bereits vor dem Essen aktiv, eine andere wird erst während des Essens aktiv.
„Wir vermuten, dass die Neuronen für das Sättigungsgefühl vor dem Essen als regulatorischer Mechanismus dienen, um den Drang zu essen von Anfang an zu reduzieren, während die andere Population von Sättigungsneuronen erst aktiv wird, nachdem die Nahrungsaufnahme begonnen hat – wahrscheinlich, um zu signalisieren, wann wir mit dem Essen aufhören sollten“, erklären die Forschenden. Tatsächlich zeigten Experimente mit Mäusen, dass die Tiere sofort aufhörten zu fressen, wenn diese Neuronen künstlich aktiviert wurden. Hemmten die Forschenden dagegen die Sättigungsneuronen, fraßen die Tiere mehr.





