Auf den ersten Blick haben erster und zweiter Golfkrieg nicht viel miteinander gemein. Zwar fanden sie – wie schon der Name suggeriert – in der gleichen Region statt und sahen beide Irak in einer Haupt‧rolle, aber die internationalen Rahmenbedingungen der Kriege unterschieden sich fundamental. Der irakisch-iranische Krieg von 1980 bis 1988 (erster Golfkrieg) stand in seinem gesamten Verlauf im Zeichen der Spätphase des Ost-West-Konflikts, während der Kuwait-Konflikt 1990/91 (zweiter Golfkrieg) – zeitlich eher zufällig – mit dem Ende des Kalten Kriegs und der Verkündung einer „Neuen Weltordnung“ durch US-Präsident George Bush zusammenfiel. Auf den zweiten Blick offenbaren beide Golfkriege aber mindestens vier Zusammenhänge.
Erstens veränderte der erste Golfkrieg die Beziehungen der regionalen Staaten zueinander gründlich. Erinnert sei an das tiefe Zerwürfnis zwischen Syrien und Irak, die – zumindest indirekt – zwischen 1980 und 1988 Krieg gegeneinander geführt hatten, weil Syrien Verbündeter Irans war; oder die Etablierung des Golf-Kooperationsrates (GKR) 1981, der als „Klub der Reichen“ gesamtarabischer Solidarität endgültig eine Absage erteilte. Andererseits konnte aber Ägypten durch seine Unterstützung Iraks die regionale Isolation im Gefolge des Friedensvertrags mit Israel wieder so weit lockern, dass die Suspendierung seiner Mitgliedschaft in der Arabischen Liga aufgehoben wurde. …
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Prof Dr. Henner Fürtig




