Das Runners High
Diesen Zustand erreichen Sportler meist nur, wenn sie ihren Körper an seine Grenze und darüber hinausbringen, wie es etwa bei einem Marathon der Fall ist. Dabei wird ein körpereigener Drogencocktail produziert, der zu einer vermehrten Ausschüttung von Endorphinen führt. Diese Endorphine docken an den gleichen Rezeptoren an, wie es bei Drogen der Fall ist. Dabei verringern die körpereigenen Opiate das Schmerzempfinden und erzeugen ein Gefühl von Euphorie. Man ist high. Neben den Endorphinen sind noch zahlreiche weitere Botenstoffe aktiv, unter anderem Serotonin, Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin.
Doch diese Stoffe sind nicht allein für die überwältigenden Emotionen verantwortlich, die beim Laufen an der Belastungsgrenze entstehen können. Der Sauerstoff wird in diesen Momenten von den Muskeln gebraucht, sodass für das Gehirn weniger davon zur Verfügung steht. Es muss dadurch sparsamer haushalten und sich auf die wichtigsten Funktionen konzentrieren. Zum Grübeln reicht die Energie sprichwörtlich nicht aus, weshalb die Gedanken an die Arbeit, die Probleme, die Sorgen, an andere Menschen und generell den Alltag verschwinden. Der präfrontale Cortex, der sonst für die Lösung von Problemen und die Wahrnehmung von Raum und Zeit verantwortlich ist, wird nahezu vollständig deaktiviert.
Den präfrontalen Cortex beruhigen und dadurch in den Flow kommen
Den präfrontalen Cortex kann man sich wie einen Prozessor im Gehirn vorstellen, der mit den täglichen Aufgaben jongliert. Er liegt neben den Bereichen, die für die Motorik zuständig sind. Werden diese aktiviert, wird vom präfrontalen Cortex Energie abgezogen, ebenso wie es durch den erhöhten Sauerstoffverbrauch der Muskeln passiert.
Das Ergebnis ist, dass man sich vollständig im „Hier und Jetzt“ fühlt, im Flow, der nicht nur durch Sport, sondern auch durch andere Tätigkeiten erlangt werden kann. Das Geheimnis liegt in der Konzentration, im Fokus, aber auch in der Bewegung an der eigenen Grenze. Der Flow ist deutlich leichter zu erreichen als das Runners High, doch es gilt: Wer gerade mit dem Laufen anfängt, braucht etwas Geduld, denn man muss erst Laufen können, bevor der Flow erzielt werden kann.
So findet man beim Laufen leichter in den Flow
Es gibt einige Tricks, mit denen man den Flow herbeiführen kann. Dieses Erlebnis ist nämlich nachhaltig berauschend. Allein dadurch, dass man für eine gewisse Zeit seine Sorgen vergessen hat, erscheinen sie nachher viel kleiner und vor allem: lösbar. Immerhin war man es selbst, der diesen Zustand herbeigeführt hat. Zudem bedeutet zu laufen meistens, den inneren Schweinehund überwunden zu haben, was für mehr Selbstvertrauen und innere Stärke sorgt.





