Zum fünften Jahrestag des Todes von Rudolf Augstein erscheint nun eine weitere Biographie des „Spiegel“-Machers, verfasst von dem Journalisten Peter Merseburger. Merseburger, geboren 1928 und von 1960 bis 1965 selbst Redakteur und Korrespondent des „Spiegel“, ist ebenso Zeitzeuge wie unabhängiger Beobachter. Eine gewisse Bewunderung für den „Spiegel“-Herausgeber kann der Autor allerdings nicht verbergen.
Merseburger zeichnet den Lebensweg Augsteins und die Geschichte des „Spiegel“ vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik nach. Dabei betont er die zentrale Rolle, die das Nachrichtenmagazin und sein Her-ausgeber auf die Ausbildung einer kritischen Öffentlichkeit in der jungen Bundesrepublik hatten – und zwar schon lange vor der „Spiegel-Affäre“ des Jahres 1962. Dass noch in den 50er Jahren zahlreiche Nationalsozialisten in der Redaktion des „Spiegel“ tätig waren, habe dem kritischen Journalismus keinen Abbruch getan, so Merseburger. Er weist zwar ausführlich auf diesen Sachverhalt hin, meint aber, dass dies „den nicht wundern [kann], der die Grundstimmung der Zeit in Rechnung stellt“. Dass sich der „Spiegel“ bis heute gegen eine kritische Aufarbeitung der eigenen Geschichte sperrt, hätte zumindest in diesem Zusammenhang ausführlich thematisiert werden müssen. Die politische Einstellung Augsteins, der Mitglied der FDP und 1972 für einige Wochen Abgeordneter im Deutschen Bundestag war, charakterisiert Merseburger als national-liberal. Dass der Autor auf Anmerkungen und damit auf die Nachweise von Zitaten und Dokumenten verzichtet, nimmt dem Buch viel von seinem Wert für eine wissenschaftliche Nutzung. Es handelt sich aber um eine gut lesbare Biographie eines der großen deutschen Nachkriegsjournalisten, genauso wie, mit der Geschichte des „Spiegels“, um ein Stück spannender Geschichte der Bundesrepublik auf ihrem Weg zu einer gefestigten Demokratie mit einer pluralen und kritischen Presse.
Rezension: Münkel, Daniela




