Grund für die extravagante Haarfarbe ist eine Mutation auf Chromosom 16, und zwar in einem Gen, das die Bauanleitung für den sogenannten Melanocortin-1-Rezeptor, MCR1 genannt, enthält. Der bestimmt, welche Pigmente im Körper in welchen Mengen gebildet werden. Für die Färbung der Haare ist Melanin verantwortlich, das beim Menschen in zwei Varianten vorkommt: Eumelanin und Phäomelanin. Während Eumelanin für braunes und schwarzes Haar sorgt, lässt Phäomelanin das Haar blond, rotblond oder eben leuchtend rot werden.
Vererbt wird die Färbung rezessiv, das heißt, nur wenn sowohl Vater als auch Mutter die Erbanlagen für rote Haare in ihren Genen tragen, wird ihr Nachwuchs ein Rotschopf. Welche Haarfarbe Mutter und Vater selbst haben, ist dabei egal. Die Rothaarigkeit kann über Generationen hinweg versteckt weitervererbt werden, sodass selbst zwei dunkelhaarige Menschen rothaarige Kinder haben können. Bemerkenswerterweise werden rote Haare im Alter nicht grau. Das liegt daran, dass die Farbstoffproduktion im Lauf des Lebens immer mehr nachlässt – zwar individuell verschieden schnell, aber unaufhaltsam. Anders als Schwarz oder Braun wird Rot dabei aber nicht zu Grau, sondern zuerst zu einem verblassten Kupferton und schließlich zu einem roséfarbenen Blond. Es kann dann noch weiß werden, grau hingegen nie.
Ein Problem haben fast alle Rothaarigen. Während Eumelanin gegen Sonnenlicht ziemlich widerstandsfähig ist, gilt das für Phäomelanin leider nicht. Rothaarige mit ihrer hellen Haut bekommen deshalb besonders leicht einen Sonnenbrand, und ihr Risiko, wegen der fehlenden Schutzwirkung des Eumelanins irgendwann an Hautkrebs zu erkranken, ist 70-mal so hoch wie bei Menschen mit anderen Haarfarben und dunklerem Teint.
Und noch etwas unterscheidet Rothaarige Studien zufolge von ihren Mitmenschen: Sie reagieren anders auf Schmerzreize. Während ihnen etwa mechanischer Druck vergleichsweise wenig ausmacht, setzen ihnen Hitze und Kälte massiv zu. Mit dieser ungewöhnlichen Schmerzempfindung hängt offenbar auch zusammen, dass bei ihnen bestimmte lokale Betäubungsmittel kaum oder gar nicht wirken. Da dies speziell für Lidocain gilt, das häufig von Zahnärzten für die Lokalanästhesie verwendet wird, vermeiden Rothaarige gemäß einer US-amerikanischen Untersuchung aus Angst vor Schmerzen doppelt so oft Zahnarztbesuche wie Menschen mit anderen Haarfarben.





