Wie auch immer: Ronald D. Gerste schildert in seinem neuen Buch die Widerstände, die „FDR“ an der „Heimatfront“ überwinden musste, und erst recht die unermessliche Standfestigkeit, die ihm während eines mehrjährigen Kriegs abverlangt wurde. Dergleichen konnte nur ein charismatisch begabter Visionär leisten, zumal ein Großteil der politischen und publizistischen Elite in den USA das Land unbedingt aus dem Krieg heraushalten wollte – nicht zuletzt im Wissen darum, dass Krieg allzu oft eine Demokratie an der Wurzel schädigt.
Ob und in welcher Weise die Demokratie in den USA durch den „totalen Krieg“ und einen fast zehnjährigen Ausnahmezustand tatsächlich beschädigt wurde, kommt bei Gerste leider nicht zur Sprache. Zwar nimmt der Autor anfänglich diese Spur auf, verliert sie aber alsbald wieder aus dem Blick. Bedauerlich ist auch, dass viele neuralgische Punkte (von der seit 1941 betriebenen Konstruktion der Atombombe bis hin zu den Nachkriegsplanungen) allzu kursorisch oder ohne eine angemessene Würdigung neuerer Forschungsergebnisse behandelt, andere und vergleichsweise nebensächliche Aspekte wie die Rolle des „Atlantikfliegers“ Charles Lindbergh hingegen über Gebühr aufgewertet werden.
Insgesamt gesehen konzentriert sich Gerste auf die bekannten Wegmarken der Geschichte, thematisiert anschaulich und gut lesbar die beiderseitige Wahrnehmung diesseits und jenseits des Atlantiks, die „rhetorischen Fernduelle“ mit Hitler, die innenpolitischen Scharmützel in den USA und das oft nicht weniger komplizierte Ringen mit den Verbündeten Churchill und Stalin – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Rezension: Prof. Dr. Bernd Greiner




