Aufmerksam hat von Harff Befestigungswerke und Waffen beobachtet, Brieftauben und Brücken, Eremiten und Mönche, Fauna und Flora, Geldwesen und Zahlungsverkehr, Gewerbe und Technik. Auffällig ist sein Interesse an Quantitäten: Entfernungen, Zahl der Stufen oder Auslagen für die Seereise von Venedig nach Alexandria. Noch keiner Political Correctness unterworfen, schildert er ungeniert, wie Muslime Kirchen zerstört haben, wie sie Christen und Juden diskriminieren. Ausführlich geht er auf Körperpflege und Krankheiten ein, auf Liturgie und Passionsspiel, Naturkatastrophen und Strafrecht. In mehreren Sprachen zitiert er die Bitte: „Gute Frau, lasst mich bei Euch schlafen.“
Die Übersetzung liest sich gut. Die Abbildungen ergänzen und vertiefen den Text. Willkommen sind die kenntnisreiche Einleitung und die knappen Erläuterungen zu Einzelheiten. Manches bleibt – wie könnte es anders sein? – unerörtert. Wurden damals wirklich aus Leimholz Schiffsmasten gefertigt? Könnte die Bemerkung, bei Meran gebe es „viele Schwachsinnige von Geburt“, auf einen Ernährungsmangel hinweisen? Dem „Antoniusfeuer“ liegt, anders als erläutert, eine Pilzvergiftung zugrunde. Die ungewöhnlich vielschichtige Quelle sei den Freunden des Reisens und all denen empfohlen, die sich fragen, wieso die europäische Kultur seit dem 15. bzw. 16. Jahrhundert die Welt prägte.
Rezension: Ohler, Norbert




